Neuer Nationalismus im östlichen Europa. Kulturwissenschaftliche Perspektiven
Tagung des Herder-Forschungsrats und des Schroubek-Fonds Östliches Europa
Anmeldung: Da das IBZ nur über begrenzte Plätze verfügt, wird um Anmeldung gebeten bis spätestens zum 1.11.2016 bei: i.goetz@vkde.fak12.uni-muenchen.de.
Nicht erst angesichts der „nationalen Egoismen“ im Kontext der gegenwärtigen Fluchtbewegungen nach Europa lässt sich überall in Europa die Rückkehr nationaler (und auch nationalistischer) Haltungen, Diskurse und Politiken erkennen. Sie richten sich häufig als Gegenbewegung gegen die in den letzten zwei Jahrzehnten dominanten Tendenzen der Zurückdrängung des Nationalen und laufen vielfach den Zielen der europäischen Einigung entgegen. Das Wiederaufleben historischer Mythen und die Zuwendung zu „großen Vergangenheiten“, die politische Instrumentalisierung von „Volks-kultur“, von „eigenen“ ethnischen Materialien oder religiösen Traditionen, aber auch von jüngeren Erinnerungsorten, wie z.B. nationalen Sportereignissen, sind Teil einer symbolischen Identitätspolitik, insbesondere auch in den postsozialistischen Ländern. Viele von ihnen setzen in Zeiten multipler Krisen zur Orientierung auf „traditionelle Kultur“ und lösen dabei Heterogenitäten und Pluralitäten auf oder suchen sie zu unterdrücken in einer Weise, die aus Sicht der EU oft problematisch ist.
Diese Wiederentdeckung des Nationalen, die keinesfalls nur, aber doch in starkem Maße in den Ländern des östlichen Europa zu konstatieren ist, die hierfür wiederbelebten oder neu geschaffenen Traditionen, Denkmodelle, Repräsentationen und Strategien sind ebenso Gegenstand dieser Tagung wie die Suche nach den tieferen Ursachen dieser für Europa folgenreichen Entwicklung.
Programm der Tagung:
Donnerstag, 1. Dezember 2016
ab 13:00 Registrierung der Teilnehmer im Internationalen Begegnungszentrum
14:15 Begrüßung der Teilnehmer Prof. Dr. Klaus Roth
Einführung ins Thema Prof. Dr. Irene Götz
14:45 Dr. Marketa Spiritova (München) „Performing the Nation“: Inszenierung des Nationalen in der Populärkultur
16:00-16:45 Kaffeepause
16:30-18:00 Sektion 1: Populare Repräsentationen des Nationalen
Leitung: Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger
Dr. Klaudija Sabo (Wien)
Rambo, Rock und Victory! Der visuelle Kult der nationalen (Kriegs-)Helden in Kroatien nach Tito
Simon Schlegel MA (Halle)
Ethnische Minderheiten an der ukrainischen Peripherie - Diversität ohne kultu-relle Unterschiede?
18:00 Pause mit Buffet
19:30 Prof. Dr. Klaus Roth (München)
“Die Nation bauen” – Die Konstruktion der Nation aus Antike und Mittelalter. Mazedonien und Bulgarien als Beispiele
Freitag, 2. Dezember 2016
9:00-12:30 Sektion 2: Identitätspolitiken
Leitung: Prof. Dr. Irene Götz
Petra Steiger MA (Bratislava)
„Good Idea Slovakia“: Nation als „Imagined Commodity“
Claudia Theresa Stahl (München)
European Green Capital Award in Ljubljana: Ein urbanes Phänomen im nationalpolitischen Diskurs Sloweniens.
10:45-11:00 Kaffeepause
Julia Person, MA (Frankfurt/M, Erfurt)
Mediale Konstruktionen des Nationalen (des Russischen) in erfolgreichen westlichen Hochglanzmagazinen
Sara Reith M.A. (Mainz)
Repräsentation von Staatlichkeit und Nation im remigrantischen Diskurs in Russland - Einblicke in eine Feldforschung
12:30-14:45 Mittagspause
14:45-18:00Sektion 3: Erinnerungsorte und Mythen
Leitung: Dr. Marketa Spiritova
Prof. Dr. Ana Luleva (Sofia)
Das Nationale vs. Europäische in der bulgarischen postsozialistischen Erinnerungskultur
Dr. habil. Małgorzata Świder (Opole/Oppeln)
„Verstoßene Soldaten” – die neuen Helden Polens
16:00-16:45 Kaffeepause
László Matthias Simon-Nanko MA (Tübingen)
Politische Mythologie in Ungarn? – Zu Kontinuitäten paralleler Geschichtsschreibung im Kontext von Archäologie und Sprachwissenschaft
Prof. Dr. Anton Sterbling (Görlitz)
Fortbestand und Erneuerung nationaler Mythen. Das Beispiel Rumäniens
18:00 Pause mit Buffet
19:30 Verleihung der Schroubek-Preise 2016
Samstag, 3. Dezember 2016
9:00-12:30 Sektion 4: Wir und die Anderen: innere und äußere Fremde
Leitung: Prof. Dr. Klaus Roth
Noémi Sebők-Polyfka MA (München)
Mit Antiziganismus zum nationalen Selbstbild? Konstruktionen „des Anderen“ und deren Einfluss auf Selbstbilder von Rom_nja in der Slowakei
Dr. Margit Feischmidt (Budapest)
Neue Formen des Nationalismus und die rassistische Darstellung der migranten und minderheitlichen Andern. Ethnographische Fallanalysen zweier ungarischer Dörfer
10:45-11:00 Kaffeepause
Dr. Alexandra Schwell (Hamburg/Wien)
Mehr als nur ein Spiel. Fußball und die Inszenierung nationaler Loyalitäten und Rivalitäten im östlichen Europa
Agnieszka Balcerzak, MA (München)
„Gott, Ehre, Vaterland“ – Das Wiederaufleben des Nationalismus in Polen am Beispiel national-konservativer Protestbewegungen
12:30 Zusammenfassende Analyse und Schlußdiskussion (Prof. Irene Götz)
13:00 Ende der Tagung