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Das Fach

Warum handeln Menschen, wie sie handeln? Die Empirische Kulturwissenschaft analysiert Kulturen als lebendige Praxis und Ordnungssystem – historisch fundiert und gegenwartsorientiert.

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Genozidgedenktag, Yerevan, 2015

© Manuel Trummer

Was ist Empirische Kulturwissenschaft?

Den Alltag verstehen, Gesellschaft gestalten

Warum handeln Menschen, wie sie handeln? Wie organisieren wir unser Zusammenleben, und welche Regeln handeln wir dabei täglich neu aus? Welche Werte und Normen sind gesellschaftlichen Prozessen eingeschrieben?

EKW*EE ethnografiert Alltage und Kulturen im europäischen Raum. Unser Fach stellt das Zusammenleben von Akteur:innen unterschiedlichster Milieus und Klassen in seiner jeweiligen soziokulturellen und historischen Geformtheit ins Zentrum. Mit Blick auf das kulturell Überlieferte im Wandel fokussieren wir, wie Menschen durch ihr tägliches Handeln und Interagieren ihre sozialen Räume aktiv gestalten und ausdeuten: durch Praktiken der alltäglichen Lebensführung und des Arbeitens, des Feierns und Konsumierens, des Erzählens und Erinnerns oder des Debattierens und Protestierens. Mit einem breiten thematischen Fokus werden Lebenswelten in Stadt und Land, mit Blick auf Macht- und Ungleichheitsverhältnisse, beforscht. Zum Beispiel bei der Analyse von Ritualen und politischen Vermittlungsprozessen, materieller Überlieferung und immateriellem Erbe, Migration und Mobilität, KI und Medialität, sozialen Bewegungen und Popkultur, Biografien und Gender-Effekten werden sowohl gegenwartsorientierte als auch historische Perspektiven angelegt.

Kultur als Praxis: Kontinuitäten und Wandel

In der EKW*EE verstehen wir Kultur nicht als ein fertiges Produkt im Museum, sondern als ein dynamisches soziales Handlungs- und symbolisches Ordnungssystem. Ziel ist, dieses aus einer praxisorientierten und stets auch selbstreflexiven Perspektive zu verstehen. Wir analysieren, wie Akteur:innen ihren Alltag organisieren, kulturelle Konflikte verhandeln, wie sie gesellschaftlichen Wandel vorantreiben oder verhindern und wie sie ihre Zukünfte unter den objektivierten soziokulturellen Bedingungen imaginieren und erzählen.

Von der Aufklärung bis zur digitalen Gegenwart

Aus den Wurzeln der Vorgängerdisziplin „Volkskunde“ entstanden, hat sich die EKW*EE ab den 1960er-Jahren zu einer modernen, kritischen Kulturanalyse entwickelt. Unser zeitlicher Fokus liegt auf der Spanne vom 18. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Dabei verstehen wir Kultur und Gesellschaft als Ergebnis von Transformationsprozessen und denken Gegenwart stets auch aus ihren historischen Zusammenhängen. Den räumlichen Schwerpunkt unserer Forschung bildet unser eigener Nahbereich, die Alltagskulturen Europas – die wir stets eingebettet in globale Austauschprozesse denken.

Methodische Vielfalt und Erfahrungsnähe

Die EKW*EE nutzt ein breites Spektrum ethnografischer und archivalischer Methoden und kombiniert ein Set an Ansätzen und Quellen, um die komplexen Mikro- und Makroperspektiven, lebensweltliche Erfahrungen und soziokulturellen Kontexte auf verschiedenen Ebenen erschließen zu können.

  • Feldforschung: Teilnehmende Beobachtung und qualitative Interviews.
  • Visuelle Ethnografie: Dokumentation durch Film, Fotografie und Mapping.
  • Diskursanalyse und Archivalienforschung: Auswertung historischer und gegenwärtiger Medien und Dokumente.

Dieser „Werkzeugkoffer“ erlaubt es uns, kulturelle Prozesse, Konflikte und Normen, Machtverhältnisse, soziale Ungleichheiten und politische Zusammenhänge kritisch und mit hoher regionaler und historischer Kompetenz zu hinterfragen.

Am Puls der Zeit: Gesellschaft mitgestalten

Die EKW*EE ist eine engagierte Wissenschaft, die nicht nur über unsere Gesellschaft forscht, sondern mit ihr und als Teil von ihr. Mit dem Anspruch, an der Lösung sozio-kulturaler Probleme mitzuwirken, bildet eine praxisnahe, ko-operative Forschung einen ebenso wesentlichen Aspekt des Faches, wie die Vermittlung von Wissen in Politik und Gesellschaft. Vor allem die öffentliche Kulturvermittlung in Referaten, Agenturen und besonders den Museen bildet ein wichtiges Arbeitsfeld für die EKW*EE.

© ekwee

Die Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie in München zählt zu den forschungsstärksten Standorten des Faches im deutschsprachigen Raum. Das spiegelt sich auch in der Lehre wider, die sich bereits in den frühen Bachelorsemestern durch eine intensive Verbindung von Forschung, Praxis und Projektarbeit auszeichnet.

Die Stadt München ist für uns dabei weit mehr als nur ein Studienort – die Stadt ist unser Labor und Netzwerk. In einer Metropole, die von globalen Migrationsbewegungen, rasantem urbanen Wandel, von Tradition und Hightech, von bayerischen Regionalnarrativen und postmigrantischer Vielfalt geprägt ist, bieten sich in jedem Semester Gelegenheiten für praxisnahe, empirische Forschung in Stadt und Umland. Vor allem unsere bestehenden Kooperationen mit zahlreichen lokalen und regionalen Museen und Kultureinrichtungen bieten bereits während des Studiums beste Möglichkeiten, sich in späteren Berufsfeldern zu vernetzen. Regelmäßige Exkursionen (zuletzt etwa nach Island, Spanien oder Italien) sowie die enge Zusammenarbeit mit dem International Office der LMU (etwa über ERASMUS) bieten unseren Studierenden zudem Gelegenheiten, sich international zu orientieren.

Die Räumlichkeiten der EKW*EE befinden sich in der Oettingenstraße am Englischen Garten, in unmittelbarer Nähe zum Chinesischen Turm. Hier befinden sich unsere Standortbibliothek, unsere Seminarräume und die Büros aller Mitarbeitenden.

Als Teil der Ludwig-Maximilians-Universität München, einer der besten Universitäten Europas, profitieren wir von einer exzellenten Infrastruktur und vielen internen Fördermitteln. Unsere engen Kooperationen, unter anderem mit dem Career Office der LMU und zahlreichen lokalen Museen und Kultureinrichtungen bieten beste Bedingungen für Studium, Berufseinstieg und Forschung.