Alter(n) Neu Denken - Kulturwissenschaftliche Perspektiven
Forschungskolloquium im WiSe 2016/17, jeweils 19.15 -21.00 Uhr im Saal des Münchner Stadtmuseums St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
Forschungskolloquium im WiSe 2016/17, jeweils 19.15 -21.00 Uhr im Saal des Münchner Stadtmuseums St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
Gegenwärtig wird Alter angesichts des demografischen Wandels und einer neuen Generation älterer Mitbürgerinnen und -bürger von Wissenschaft und Politik sowie Medien und Märkten neu entdeckt. Gleichzeitig nehmen bei Älteren derzeit, gerade auch in teuren Städten wie München, sozioökonomische Probleme zu. Diese Vortragsreihe mit sechs Vorträgen und einer Podiumsdiskussion untersucht die Vielschichtigkeit der Lebenswelten älterer Menschen und der entsprechenden Altersbilder. So widmet sie sich etwa brisanten Fragen des „prekären Ruhestandes“ oder behandelt neuere Debatten um Schönheit und Körper im letzten Lebensdrittel.
Forschungskolloquium des Instituts für Volkskunde/Europäische Ethnologie im Wintersemester 2016/2017 findet statt mit freundlicher Unterstützung vom Münchner Stadtmuseum und dem Seniorenstudium der LMU.
Veranstaltungsort:
Saal des Münchner Stadtmuseums
St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
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Termine:
25.10.16 Harm-Peer Zimmermann (Universität Zürich): Alters-Coolness. Gutes Leben im Alter als Frage der Haltung und Lebenskunst
Die derzeitige Debatte um das hohe Alter ist beherrscht von Metaphern wie ‚Altenlast’, ‚Rentnerberg’ und ‚dunkle Demografiewolken’. Befragt man hingegen alte Menschen selbst, kommt eine Vielzahl von Aspekten guten Lebens im hohen Alter heraus. Der Vortrag fasst Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Gutes Leben im hohen Alter“ (gefördert durch die VW-Stiftung, 2009-2013) zusammen. Unabhängig von Lebensinhalten ist offensichtlich eine bestimmte Haltung ausschlaggebend für Lebenszufriedenheit, und zwar gerade in Anbetracht von Verletzlichkeit und Endlichkeit im hohen Alter. Mit dieser „Alters-Coolness“ gelingt es, Abstand zu halten -gegenüber den eigenen Vulnerabilitäten, aber auch von der Hektik und Alarmstimmung der öffentlichen Meinung.
08.11.16 Cordula Endter/Sabine Kienitz (Universität Hamburg): Pimp up my body? Der alternde Körper im Zeitalter technischer Optimierung
Während Brillen, Hörgeräte und Rollatoren bereits zur etablierten Requisite des Alter(n)s geworden zu sein scheinen, treten seit Beginn der 2000er Jahre vor allem smarte und intelligente Technologien an, um sowohl den physischen als auch psychischen Veränderungen des Älterwerdens Paroli zu bieten. So wird nicht nur das Alter zum Experimentierfeld für ganz neuartige Geräte, Systeme und Technologien, sondern auch die älteren Menschen werden zu Technikpionieren. Wie sich dieses Spannungsverhältnis gestaltet, will der Vortrag "Pimp up my body? Der alternde Körper im Zeitalter technischer Optimierung" von Prof. Dr. Sabine Kienitz und Cordula Endter, M.A. an ausgewählten Beispielen verdeutlichen.
22.11.16 Stephan Lessenich (LMU München): Vom Ende des wohlverdienten Ruhestandes – Das Bild vom aktiven Alter und seine Fallstricke
Der "Ruhestand" ist historisch eine erstaunlich junge Einrichtung - erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Vorstellung eines arbeitsfreien Lebensabends gesellschaftlich breit etablieren können. Und mittlerweile ist diese Einrichtung auch schon wieder ins Gerede geraten, wird von älteren Menschen heute doch erwartet, dass sie auch nach dem Ende des Erwerbslebens weiterhin aktiv und produktiv bleiben. Der Beitrag geht dem jüngsten Wandel gesellschaftlicher Altersbilder nach und verweist auf die Widersprüche und Grenzen des sogenannten "aktiven Alterns“.
29.11.16 Tina Denninger (LMU München): Blicke auf Schönheit und Alter. Von Körperbildern alternder Menschen
Folgt man den soziologischen Diagnosen, welche die deutsche Gegenwartsgesellschaft als Lebenswirklichkeit beschreiben, in der Attraktivität, Fitness und Jugendlichkeit einen hohen sozialen Stellenwert besitzen, drängen sich Fragen nach dem alternden Körper, dessen Platz in der alternden Gesellschaft und seiner symbolischen Signifikanz geradezu auf. Der Vortrag präsentiert die Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie mit der Frage, wie Körperbilder im Alter aussehen und inwiefern sich diese durch soziale Vergleiche vielfältiger Art konstituieren. Dabei spielt auch "der Blick" eine entscheidende Rolle, in den drei Dimensionen des Blickens auf andere, des Blickens auf sich selbst und des Blickens der anderen auf sich selbst.
17.01.17 Felicia Sparacio (Universität Tübingen): Bewegter Ruhestand. Alter(n) in der transnationalen Migration
Alter und Migration werden bisher nur selten miteinander diskutiert. Am Beispiel von türkischen Rentner/innen, die in den Sommermonaten in der Türkei und den Rest des Jahres in Deutschland leben, geht der Vortrag der Frage nach, inwiefern sich Alter und Altern auf das Pendeln zwischen Herkunfts- und Einwanderungsland und wie sich
umgekehrt diese Pendelmigration auf Alter und Altern auswirken. Anhand von theoretischen Ausführungen zu transnationaler Migration und Alter(n) in Verbindung mit empirischen Beispielen zeigt der Vortrag, auf welche Weise sich Alter und Migration gegenseitig bedingen.
31.01.17 Esther Gajek (Universität Regensburg): Doing Age. Seniorenprogramme in Museen
Wenn Museen an ältere Menschen denken, geht es oft um Sitzgelegenheiten und gut lesbare Texte. Bei Vermittlungsprogrammen ist häufig noch das Kaffee trinken im Anschluss integriert. Aber ist es das, was Menschen über 65 wirklich wollen? Ein differenzierter Blick auf die Zielgruppe erweist, dass Museumsbesuche eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Bedürfnisse decken, die mehr mit Lebensstilen als mit Alterszuschreibungen zu tun haben
07.02.17 Podiumsdiskussion: Altersarmut von Frauen – Wie kann man sie bekämpfen?
Es diskutieren Julia Obermaier (CSU), Claudia Tausend (SPD) und Doris Wagner (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Irene Götz (LMU München) und Alex Rau (LMU München)
Moderation: Iska Schreglmann (Bayern 2/ARD alpha)
In Zusammenarbeit mit den Münchner Zonta Clubs