Akteur*innen ‒ Narrative ‒ Strategien

Konstellationen einer transnationalen Folklore-Forschung, 1875–1905“ (DFG, 2022–2027)

Team

Prof. Dr. Christiane Schwab

Professorin

Frauke Ahrens, M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Projektbeschreibung

Das Projekt leistet einen ersten grundlegenden Beitrag zu einer transnationalen Wissen(schaft)sgeschichte der Folklore-Forschung/Volkskunde zur Zeit der beginnenden Institutionalisierung volkskundlich-ethnologischen Denkens und Handelns. Als wissensanthropologisch und historisch-ethnografisch argumentierende Transfer- und Verflechtungsgeschichte (re-)konstruiert das Projekt mikrohistorische Vernetzungen von Akteur*innen, Infrastrukturen, Medien, Praktiken, Objekten, Maßnahmen, Strategien, diskursiven Stränge und Positionen, die nationalstaatliche Bewegungs- und Deutungsräume durchbrachen. Diese sogenannten ‚transnationalen Konstellationen‘ werden in dichten Beschreibungen und multi-skalaren Analysen in ihrer Relevanz für wissen(schaft)sgeschichtliche Strukturierungen und Entwicklungen untersucht. Im Sinne des methodologischen Programms einer histoire croisée arbeitet das Projekt neben transnationalen Austausch- und Transferprozessen auch ihre Wechselwirkungen mit regionalen/nationalen gesellschafts- und wissenschaftspolitischen sowie sozioökonomischen Strukturbedingungen in ihrer Bedeutung für eine volkskundlich-ethnologische Wissensproduktion heraus.

Zur Untersuchung von Systematisierungsprozessen der Folklore-Forschung/Volkskunde in einem europäischen Verflechtungsraum werden drei Fragenkomplexe an das Material herangetragen: Erstens wird nach den biografischen und soziokulturellen Verstrickungen, Motiven und Strategien von Akteur*innen gefragt, deren Beziehungen und Wissenspraktiken nationalstaatliche Grenzen überschritten. Zweitens untersucht das Projekt orientierungsstiftende und wissensverarbeitende Narrative, die als Instrumente der Identifikation von Interessen und der Problembearbeitung vielfältige Formen transnationaler Arbeit in der Folklore-Forschung/Volkskunde bestimmten. Drittens werden strategische Positionierungen einer disziplinären Selbstbehauptung und Logiken regionaler und nationaler Institutionalisierungsprozesse volkskundlich-ethnologischen Arbeitens im Rahmen transnationaler Verflechtungen herausgearbeitet.

Das Ziel des Projekts, einen Grundstein für eine transnationale Wissen(schaft)sgeschichte der Folklore-Forschung/Volkskunde zu legen (vermittelt durch Artikel für Fachzeitschriften, eine Monografie, eine Master-Arbeit und mehrere Beiträge für das Projekt Bérose – Encyclopédie internationale des histoires de l‘anthropologie), wird durch seine Rückbindung in fachhistorische Debatten ergänzt. In einem wissenschaftlichen Workshop mit anschließender Publikation soll ‚transnationale Folklore-Forschung/Volkskunde‘ nicht nur als Befund, sondern auch als Interpretament erörtert werden, um legitimierte Wissensmodi einer volkskundlich-ethnologischen Fachgeschichtsschreibung sowie damit verbundene disziplinäre Selbstverständnisse neu zu reflektieren und (Un-)Möglichkeiten und Potentiale einer transnationalen/-regionalen/-kulturellen Wissen(schaft)sgeschichte zu diskutieren.

  • 19.02.2026. Frauke Ahrens. „Negotiating Transnational Ambition and Local Interest: The International Folklore Congress of 1891 as a Strategy of Scientific Assertion”, Vortrag im Rahmen des Workshops „The History of Folkloristics – Media and Mediators“, 19‒20 February 2026, Royal Gustavus Adolphus Academy for Swedish Folk Culture, Uppsala.
  • 04.06.2025. Frauke Ahrens & Christiane Schwab. „‚Transnational Constellations‘ as a Conceptual Framework for Exploring the Cross-Border History of Folklore Studies”, Vortrag im Rahmen des Panels „Un/writing Disciplinary Histories: Transnational, Transcultural, and Transdisciplinary Dialogues in Ethnology and Folklore“ der 17. SIEF-Konferenz „Unwriting“, 3.‒6. Juni 2025, Aberdeen.
  • 23.07.2024. Frauke Ahrens. „Akteur*innen – Narrative – Strategien. Konstellationen einer transnationalen Folklore-Forschung, 1875–1905“, Vorstellung und Diskussion des Dissertationsprojektes im Rahmen des Kolloquiums des Deutschen Historischen Instituts London.
  • 06.12.2023. Frauke Ahrens. „We have always been (trans-)national? Folklore historiography on trial, 1875–1905“, Vortrag im Rahmen der Konferenz „Doing Histories, Imagining Futures“ (First International Conference of the Histories of Anthropologies), 4‒7 December 2023, online.
  • 07.07.2023. Frauke Ahrens & Christiane Schwab. „Populäre Medien und Transnationalität. Neue Perspektiven auf die Entwicklung einer volkskundlich-ethnographischen Kulturwissenschaft im 19. Jahrhundert“, Vortrag am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde, Universität Augsburg.

22.–23.05.2025. Frauke Ahrens, Fabiana Dimpflmeier & Christiane Schwab. Organisation der internationalen Konferenz „Transnational Folklore: Rethinking the Nineteenth-Century History of Folklore Studies” des DFG-Projekts „Actors ‒ Narratives ‒ Strategies. Constellations of Transnational Folklore Research, 1875‒1905”, Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, LMU München.