Sozialismus
Realitäten und Illusionen. Ethnologische Aspekte der sozialistischen Alltagskultur
Realitäten und Illusionen. Ethnologische Aspekte der sozialistischen Alltagskultur
Klaus Roth (Hg.) (2005): Sozialismus: Realitäten und Illusionen. Ethnologische Aspekte der sozialistischen Alltagskultur. Wien, Verlag des Instituts für Europäische Ethnologie, 256 Seiten, Band 24, ISBN 3–902029–07–2.
Das Leben im „Realsozialismus“ war geprägt durch die immense Spannung zwischen illusionärem ideologischem Anspruch und Alltagsrealität, zwischen der totalitären Herrschaft der Partei und dem Eigensinn der Menschen. Keines der „sozialistischen Projekte“ war langfristig erfolgreich, doch schuf der Sozialismus seine eigene, spezifische Lebenswelt, der sich niemand entziehen konnte.
Anliegen des Bandes ist die Aufarbeitung der sozialistischen Alltagskultur im südöstlichen Europa sowie der schwierigen Rolle der Volkskunde vor und nach der Wende. Zwanzig Autoren aus Bulgarien, Serbien, Österreich und Deutschland behandeln konkrete Aspekte der sozialistischen Alltagskultur - vom Hausbau im Zeichen der Mangelwirtschaft, den Plattenbauten, den „Häusern der sozialistischen Kultur und Lebensweise“ und den zahllosen Betriebsfesten bis hin zu der „kleinen Korruption“, der Mehrfachbelastung der Frauen und der Subkultur der Jugendlichen.
Angesichts verbreiteter Sozialismus-Nostalgie ist die kritische Analyse des realsozialistischen Alltags eine ebenso notwendige Aufgabe wie die Aufarbeitung der politischen Instrumentalisierung der Volkskunde, des Wirkens ihrer Vertreter und des schwierigen Neubeginns nach der Wende.