Dr. Laura Gozzer
Akademische Rätin auf Zeit - in Mutterschutz/Elternzeit
Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie
Sprechstunde:
nach Vereinbarung per E-Mail
Postanschrift:
Oettingenstr. 67
D-80538 München
Akademische Rätin auf Zeit - in Mutterschutz/Elternzeit
Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie
Sprechstunde:
nach Vereinbarung per E-Mail
Postanschrift:
Oettingenstr. 67
D-80538 München
Sich und anderen gerecht werden: Ethische Selbstentwürfe ehrenamtlicher Patinnen und Paten. Frankfurt am Main 2022.
Zum Wohnen. Ethnographische Perspektiven auf eine geförderte Neubausiedlung in Wien. Wien 2016.
Ein Wohnquartier als Versprechen. Sonderheft der Zeitschrift „Kuckuck. Notizen zur Alltagskultur“ 2026, gemeinsam mit Daniel Habit.
Kulturelle Figuren. Ein empirisch-kulturwissenschaftliches Glossar. Festschrift für Johannes Moser. Münster 2023, gemeinsam mit Daniel Habit, Christiane Schwab, Moritz Ege und Jens Wietschorke.
Gleichheit. Kuckuck 2/2018, Heftverantwortlichkeit gemeinsam mit Georg Wolfmayr.
(accepted): Relationships in Social Mentoring between Interpersonal Dynamics and Sociocultural Contexts. An Interdisciplinary Perspective. In: Brady, B. u.a. (Hg.): European Handbook for Social Mentoring, gemeinsam mit Marija Mitić.
(accepted): #friendshipbreakup. Repräsentationen und Praktiken freundschaftlicher Trennungen aus der Perspektive junger Erwachsener. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, gemeinsam mit Karoline Köster.
Die Frage nach dem Warum – Kulturwissenschaftliche Reflexionen zur Motivforschung am Beispiel des sozialen Engagements. In: kulturen 2025, S. 43–59.
Brüche und Widersprüche in ethischen Selbstentwürfen von Pat:innen: Einsichten aus einem Projekt für Kinder psychisch erkrankter Eltern. In: Jakob, G./Schüler, B. (Hg.): Patenschaften und Mentoring für Kinder und Jugendliche. Weinheim 2024, S. 147–157.
Voluntary mentoring. Relationship-building as an urban-ethical practice in Munich. In: Acosta, R. u.a. (Hg.): Urban Ethics as Research Agenda. Outlooks and Tensions on Multidisciplinary Debates. London 2023, S. 167–184.
„Eine Stadt sagt ja!“, oder: Wie der deutsche Resettlement-Beitritt mit bekennenden Städter_innen begann. In: Dieterich, M./Lange, J. (Hg.): Stadt – Migration – Moral. Analysen zur lokalen Moralisierung der Migration. Tübingen 2022, S. 159–179.
Nähe, Leistung und Kontinuität. Beziehungsideale und Hilfepraxen am Beispiel ehrenamtlicher Pat_innen. In: Böhringer, D. u.a. (Hg.): Helfen. Situative und organisationale Ausprägungen einer unterbestimmten Praxis. Bielefeld 2022, S. 223–244. Gemeinsam mit Johannes Moser.
Helfen, Unterstützen, Solidarisieren. Ethnografische Perspektiven auf die städtische Förderung bürgerschaftlichen Engagements, die Migrationszeitung NeuLand und einen Lions club in Stadt und Landkreis München. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2021, S. 17–48, gemeinsam mit Giulia Carla Beskid, Laura-Marie Conrad und Manuela Klotzbücher.
Commitment ‒ City ‒ Self. Ethical Self-formations in Munich’s Young Housing Cooperatives. In: Ege, M./Moser, J. (Hg.): Urban Ethics. Conflicts over the Good and Proper Life in Cities. London 2020, S. 164–179.
New Housing Cooperatives in Munich. Two Scenarios for an Ethnographical Class Analysis. In: Moser, J./Egger, S. (Hg.): The vulnerable middle class? Strategies of housing in prospering cities. München 2019, S. 49–68.
Zusammenschluss unter Druck. Genossenschaftliches Wirtschaften mit Wohnraum in München. In: Braun, K. u.a. (Hg.): Wirtschaften. Kulturwissenschaftliche Perspektiven. Marburg 2019, S. 506–513. (09.12.2025).
Am Rande des Münchner Wohnungsmarkts. Subjektmodelle und moralische Anrufungen in Reportagen zur Wohnungssuche. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LXXI/120 (3+4) 2017, S. 209–233. (peer reviewed)
Berichte aus dem „Herzen Simmerings“. Von neuem Wohnbau auf Vorstadtbrachen. In: Kuckuck. Notizen zur Alltagskultur 2/16, S. 20–25.
Gewalt, Schmutz und Chaos in Marseille. Annäherungen an die Marginalisierung einer Stadt. In: Schwell, A./Wietschorke, J. (Hg.): Orts-Erkundungen. Der Stadt auf der Spur. Wien 2012, S. 213–235.
Rezension: Binder, B./Bischoff, C.Endter, C. Hess, S. Kienitz, S./Bergmann, S. (Hg.) (2019): Care. Praktiken und Politiken der Fürsorge. Ethnographische und geschlechtertheoretische Perspektiven. Opladen. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2020, S. 147–149.
Rezension: Kaschuba, W./ Kleinen, D./Kühn, C. (Hg.) (2015): Urbane Aushandlungen. Die Stadt als Aktionsraum. Berlin. In: Zeitschrift für Volkskunde 114, 2018/1, S. 112–114.
Tagungsbericht: „Ökonomien tierischer Produktion. Mensch-Nutztierbeziehungen im industriellen Kontext“ am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LXIX/118 (3+4) 2015, S. 319–325.
(2016) „Von ‚Menschen in Not‘ und ‚Vermietern mit Herz‘ in München“. Blogbeitrag auf https://www.urbane-ethiken.uni-muenchen.de/2015---2018/blog/blogeintrag-laura/index.html (Zugriff 7.12.2016)
(2016) Der Spannungsbogen einer Gebäudeansammlung. Die Wiener Mautner-Markhof-Siedlung als gebaute Erzählung. In: stadtform – Am Salzamt. Verwalten, verordnen, vermessen; Bd. 2, S. 72-75; mit Anna Eckert und Georg Wolfmayr.
(2015) Wie Zuhause klingen soll. Zu Macht, Atmosphäre und dem Hören. In: Sound. Paradigmata. Zeitschrift für Menschen und Diskurse, Bd.12, S. 12-15.
(2015) My Campus is your campus? In: Posch, Herbert; Stumpf, Markus (Hg.): Vom AKH zum Uni-Campus. Ausstellungsbegleitband (= Reihe Austria. Forschung und Wissenschaft – Geschichte, 13). Wien, S. 48-49; mit Katharina Wagner.
(2013) Wege zu Maria, der Schwarzen. In: Stadtaspekte. Grauzonen; Bd. 2, S. 96-102
(2011) Kämpfe um Klänge. In: Johler, Birgit; Staudinger, Barbara (Hg.): Von Dreideln, Mazzes und Beschneidungsmessern. Jüdische Dinge im Museum. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde 21.06.2011-16.10.2011 (= Objekte im Fokus, 1). Wien, S. 34-35.
Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern aus Sicht der Engagierten: Zwischen Ideal und Herausforderung. Das Fallbeispiel SkF. Vortrag im Rahmen des Fachtags „Brücken bauen: Patenschaften für eine starke Gesellschaft“ des Sozialdienstes katholischer Frauen München e.V., München. 23. Oktober 2025.
Die Frage nach dem Warum – Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Motivforschung im sozialen Engagement. Vortrag im Rahmen der Tagung „Bürgerschaftliches Engagement. Zwischen Freiwilligkeit, Selbstverwirklichung und Verantwortung“ im Rathaus Uelzen, Uelzen. 25. April 2025.
Ethische Relationalität. Erwartungen und Widersprüche als Dimensionen kulturwissenschaftlicher Beziehungsanalyse. Universität Innsbruck, Innsbruck/Österreich. 18. März 2025.
Voluntary Godparenthood. Unequal relationships as bridges in urban society. Vortrag im Rahmen der Konferenz „Debating Urban Ethics as Research Agenda. Concluding conference of the DFG Research Group Urban Ethics“, virtual, 27. April 2021.
Mentoring as Self-technique. Three Theses. Vortrag im Rahmen der Konferenz „Transformations in European Societies“, Karl-Franzens-Universität Graz, virtual. 21.Oktober 2020.
Pat_in sein. Selbstbilder von freiwillig Engagierten aus stadtanthropologischer Perspektive. Vortrag im Rahmen des Workshops des „Netzwerks kulturwissenschaftlicher Stadtforschung“: „Solidarisch in der Stadt: Womit, mit wem und wie?“ am Institut für Europäische Ethnologie, Universität Wien, Wien/Österreich. 27. Februar 2020.
Helfen. Praxen der Unterstützung im Feld der freiwillig Engagierten. Vortrag im Rahmen der Tagung „With a little help from ‒ whom? ‚Helfen‘ als situatives und organisationales Phänomen“ im Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Universität Bielefeld, Bielefeld. 8. November 2019. Gemeinsam mit Johannes Moser.
Wohnen und Wohnungspolitik in München − zwischen bürgerschaftlichem Engagement und Stadtpolitik. Vortrag im Rahmen der Reihe Mensch, Politik und Gesellschaft. Münchner Volkshochschule, München. 3. Juni 2019. Gemeinsam mit Johannes Moser.
„Save Me“ and the City. Urban-ethical subjectivations in the support for refugees in Munich. Posterpräsentation im Rahmen des 70th Annual Meeting of the Folklore Society of Japan, Kawamaza Universität, Tokio/Japan. 14. Oktober 2018.
Supporting at the right time, in the right place. Urban-ethical positionings in mentoring. Posterpräsentation im Rahmen der Konferenz „Think ‒ Do ‒ Discover ‒The Multiverse of Research“ des internationalen Doktorandenprogramms “Transformations in European Societies”, LMU München, München. 25. Oktober 2018.
Commitment ‒ City ‒ Self. Notes on Ethical Subjectivations in the Founding Processes of Housing Cooperatives in Munich. Vortrag im Rahmen der Konferenz “Urban Ethics: Conflicts Over The ‘Good’ and Proper Life in Cities. Concluding Conference of the Urban Ethics Research Group’s First Phase”, München. 18. Januar 2018.
Charity. A praxeological approach to practices of help under urban conditions. Vortrag im Rahmen des Symposiums “Hacking Paths of Anthropology” des internationalen Promotionsprogramms „Transformations in European Societies“, Eine-Welt-Haus, München. 26. Oktober 2017.
Gemeinnützigkeit als Rezept: Neue Genossenschaften in München. Vortrag im Rahmen des Panels „Stadt. Raum. Monopoly. Das 'gute Leben' und der Immobilienmarkt.“, 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde „Wirtschaften“, Marburg. 21. September 2017.
Zwischen Ethik und Eigeninteresse – Junge Wohngenossenschaften in München. Präsentation des Papers im Rahmen eines GastkritikerInnenworkshop der DFG-Forschergruppe „Urbane Ethiken“, München. 14. Juli 2017.
Angespannte Verhältnisse. Wohnungsmarkt und Mittelschicht in München. Vortrag im Rahmen des Kolloquiums des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, Wien/Österreich. 11. Mai 2017.
Vom Helfen und Geholfen-Werden. Eine Ethnographie karitativer Praxis in München. Vortrag im Rahmen der internationalen Tagung „Ethische Debatten und urbane Praxen“ am Deutschen Historischen Institut, Rom/Italien. 11. April 2017.
Between urban ideals and compromises. Neue Genossenschaften in Munich. Vortrag im Rahmen des Panels „The Vulnerable Middle Class“, 13. SIEF-Kongress „Ways of Dwelling. Crisis. Craft. Creativity“, Göttingen. 28. März 2017.
Angespannte Verhältnisse. Formen ethischer Problematisierungen und Subjektordnungen in Bezug auf den Münchner Wohnungsmarkt, Präsentation des Papers im Rahmen eines GastkritikerInnenworkshop der DFG-Forschergruppe „Urbane Ethiken“, München. 9. Juni 2016.
Making of Mautner Markhof Gründe. Visionen und Verortungen in einem neuen Wohnquartier in Wien. Werkstattgespräch im Rahmen des Kolloquiums des Instituts für Europäische Ethnologie/Volkskunde, Wien/Österreich. 15. Oktober 2015.
Time and City Size. Tage der Kultur- und Sozialanthropologie, Panel Time and the City. Universität Wien, Wien/Österreich. 24. April 2015. Gemeinsam mit Anna Eckert.
Vom AKH zum Universitätscampus. Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien/Österreich 2014.
+47° 35’ 42.98“, +7° 39’ 20.04“. Hacking the Boundaries. Motoco, Mulhouse/Frankreich 2014.
Von Dreideln, Mazzes und Beschneidungsmessern. Jüdische Dinge im Museum. Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien/Österreich 2011.
Ratzesberger, Pia (2018): Das gute Leben in der Stadt. In: Süddeutsche Zeitung, 31.05.2018. Gemeinsam mit Johannes Moser.
Freundschaften gelten als Hoffnungsträger für wechselseitige Sorge und emotionale Bindung und erscheinen zugleich mit Blick auf Debatten zu wachsender Einsamkeit als krisenhaft. Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt Freundschaften aus einer innovativen Perspektive: mit Blick auf deren Ende. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie undoing friendship – das Lösen freundschaftlicher Bindungen – aus subjektiver Perspektive praktiziert sowie ethisch verhandelt wird und in welchem Zusammenhang dies zu gesamtgesellschaftlichen Strukturen und Gegenwartsdebatten steht. Als Ausgangspunkte für ethnografische Tiefenbohrungen dienen drei Kontexte freundschaftlicher Fragilität: bildungsbiografische Dynamiken, familiäre Sorgeverantwortung und politischer Dissens. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zu den gesellschaftspolitisch relevanten Fragen rund um wachsende Einsamkeit, soziale Resilienz, die Bildung sogenannter „Bubbles“, die gesellschaftliche Verteilung von Reproduktionsarbeit sowie Prozesse politischer Polarisierung und deren Auswirkungen auf persönliche Beziehungen. Die Forschung fokussiert drei Dimensionen und bietet damit Einblicke in Trennungspraktiken und „Freundschaftskummer“ sowie das Unterlassen freundschaftsstabilisierender Praktiken (praxistheoretische Dimension), in ethische Subjektivierungsprozesse und kulturelle Freundschaftsideale, wie Ehrlichkeit und Intimität (ethikanthropologische Dimension), und in die Gestaltung von Freundschaften im Kontext gegenwärtiger Beziehungsordnungen und normbiografischer Zwänge (strukturelle/konjunkturelle Dimension). Das Forschungsprojekt startete mit einer explorativen Phase, die Erhebung ist in zwei deutschen Regionen geplant und soll maßgeblich durch qualitative Interviews getragen werden. Zudem findet derzeit eine Analyse populärkultureller Repräsentationen von Freundschaftstrennungen und digitaler Verarbeitungen des Themas statt.
Wie entsteht am Beginn des 21. Jahrhunderts im Kontext der Wohnraumkrise Stadt auf dem Reisbrett? Um dieser Frage nachzugehen eignet sich ein Blick auf eines der gegenwärtig größten Wohnbauprojekte Deutschlands: Neufreimann im Münchner Norden. Neben knapp 6.000 Miet(!)-Wohnungen entstehen hier Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, Wohnungslosenversorgung, Gastronomie- und Konsumangebote sowie ein Stadtpark und ein zentraler urbaner Platz. Gemeinsam mit Dr. Daniel Habit und Studierenden des Master-Lernforschungsprojekts „Stadt im Werden“ unternahm ich eine Ethnografie der vorläufigen und unfertigen Stadt am Beispiel Neufreimanns. Welche städtebaulichen Visionen und urbanen Bilder sind bei der Planung prägend? Wie leben die ersten Bewohner:innen sich hier ein? Was erwarten die zukünftigen Bewohner:innen und was wird von ihnen erwartet? Welche Rolle spielt die Stadt als größte Bauherrin? Welche städtischen Strategien sind angesichts der drängenden Wohnraumkrise in München zu beobachten? Wie funktioniert die Umwidmung eines ehemaligen Kasernenareals und was passiert mit denjenigen, die das Gelände zuvor nutzen – der sogenannte Kälteschutz? Die Ergebnisse des Lernforschungsprojekts sind im Sonderheft „Ein Wohnquartier als Versprechen“ (2026) der Zeitschrift „Kuckuck. Notizen zur Alltagskultur“ gesammelt. Die Publikation wurde von der Münchner Vereinigung für Volkskunde sowie dem Bezirksausschuss Schwabing-Freimann gefördert. Die Präsentation des Heftes fand in Kooperation mit der Mohr-Villa statt.
Wie wird in München freiwilliges Engagement organisiert – in zivilgesellschaftlichen Organisationen, im Rahmen von Unternehmensstrategien und auf Initiative von Bürger:innen? Welche Formen des Helfens und Solidarisierens gibt es darüber hinaus? Welche ethischen Prämissen liegen der Unterstützung anderer zugrunde und wie sind diese eingebettete in gegenwärtige politische, wirtschaftliche und kulturelle Kontexte?
Diesen Fragen widmete ich mich gemeinsam mit Prof. Dr. Johannes Moser und den Studierenden des Master-Lernforschungsprojekts 2019/2020 am Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie. Im Rahmen einer Tagung verbanden wir im Februar 2020 Stimmen aus der Praxis – Vertreter:innen von Initiativen zur Unterstützung von Geflüchteten, der Bewegung #unteilbar sowie katholischen Fürsorgeeinrichtungen – mit wissenschaftlichen Perspektiven aus der Kulturwissenschaft und Soziologie.
Tagungsbericht: Felix Gaillinger und Anna Klaß (2020): Tagungsbericht „Helfen. Unterstützen. Solidarisieren. Ethnographien des Karitativen.“ am Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. In: Zeitschrift für Volkskunde 116, S. 267-269. Tagungsplakat und -abstracts. (PDF, 445 KB)
Soziales, freiwilliges Engagement – die Unterstützung anderer – ist mit ethischen Prämissen einer guten, fürsorglichen Bürger:innenschaft verknüpft. Doch Helfen ist längst nicht mehr das unhinterfragte „Gute“: Fallstricke und Machthierarchien in Hilfsbeziehungen werden zunehmend reflektiert und neue Modelle erprobt. Gleichzeitig gerät die Fürsorge für andere – allen voran die Unterstützung von Geflüchteten – politisch unter Druck. Unterstützungsbeziehungen und deren öffentlicher Bewertung wird nicht weniger verhandelt als gesellschaftliche Positionen, Zugehörigkeit und die Deutungshoheit über Vorstellungen einer intakten und gerechten Gesellschaft – auch auf städtischer Ebene. München als „Weltstadt mit Herz“ wird in diesem Zusammenhang einerseits als besonders karitatives Pflaster beschrieben, andererseits werden Exklusionsprozesse, beispielsweise mit Blick auf Wohnpreise problematisiert. Das ethnografische Forschungsprojekt geht Positionierungen und Praxen von freiwillig engagierten Münchner:innen nach. Es fokussiert dabei das Modell der Pat:innenschaft in zwei Feldern: der Geflüchtetenhilfe sowie der Unterstützung von Kindern psychisch erkrankter Eltern. Durch Methoden der teilnehmenden Beobachtung und qualitativen Interviews werden folgende Fragen adressiert: Welche Stadtgesellschaft imaginieren und entwerfen die Pat:innen? Welche gesellschaftlichen Normen stellen sie infrage? Wie inkorporieren sie die Rolle der/s Pat:in in ihr Selbstbild? Neben zahlreichen Aufsätzen und Vorträgen mündete das Projekt in meine Dissertation Sich und anderen gerecht werden: Ethische Selbstentwürfe ehrenamtlicher Patinnen und Paten. Sie wurde mit dem Hochschulpreis der Landeshauptstadt München sowie dem Promotionspreis der Universitätsgesellschaft München ausgezeichnet.
Wohnen ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Städten weltweit zum Gegenstand von Diskussionen geworden. Mit der Globalisierung hat der lokale Markt an Dynamik gewonnen, insbesondere in wirtschaftlich prosperierenden Städten entstehen Problemlagen. Auch in München wird in den vergangenen Jahren deutlich spürbar, wie der Druck auf den städtischen Raum – dem ökonomischen und demografischen Wachstum entsprechend – stetig steigt. In die Höhe schnellende Mieten und explodierende Kaufpreise lassen Aushandlungsprozesse und politische Auseinandersetzungen an Bedeutung gewinnen, die sich mit „Wohnen und Wohnraumpolitik in der Stadt“ befassen. Am Topos des Wohnens werden von verschiedenen Akteur:innen sowohl Ideen als auch Praxismodelle zu einer Verbesserung ihrer Lebenssituation entwickelt. Aktivist:innen fordern ein Mitspracherecht, Stadtpolitiker:innen sprechen bei Bau- und Planungsprojekten von einer „Partizipation der Bürgerschaft“. Wie aber werden aus Bewohner:innen „ethische“ Subjekte und welche Rolle spielen moralische Ökonomien im Einsatz für Häuser und Quartiere, die untrennbar mit städtischen Lebenswelten und ihren sozialen Strukturen verbunden sind? Im Rahmen des Projekts, das von Johannes Moser und Simone Egger geleitet wurde, unternahm ich zwei thematische Tiefenbohrungen, in denen ich einerseits die Strategien und Ambivalenzen genossenschaftlicher Projekte aus klassentheoretischer und ethikanthropologischer Perspektive untersuchte und andererseits die Darstellung von Wohnungsnot in Printmedien mit Blick auf die Repräsentation ethischer Mieter:innen und Vermieter:innen analysierte.