Dr. Miriam Gutekunst
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie
Sprechstunde:
nach Vereinbarung per E-Mail
Postanschrift:
Oettingenstr. 67
D-80538 München
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Grenzüberschreitungen. Migration, Heirat und staatliche Regulierung im Europäischen Grenzregime. Eine Ethnographie. Transcript Verlag, 2018.
Liebe ohne Grenzen?! Binationale Paare und ihr Umgang mit Immobilisierung durch Grenzregimes (Münchner Ethnographische Schriften, Band 15). Utz Verlag, 2013.
Mapping Gender Struggles: Gender as Field of Conflict in Contemporary Social Movements. Herausgegeben zusammen mit Agnieszka Balcerzak, Birgit Erbe, Ananya Mehra und Alexandra Rau. Westfälisches Dampfboot Verlag, im Erscheinen (im Erscheinen, Frühjahr 2026).
Bounded mobilities: Ethnographic Perspectives on Social Hierarchies and Global Inequalities. Herausgegeben zusammen mit Andreas Hackl, Sabina Leoncini, Julia Sophia Schwarz und Irene Götz. Transcript Verlag, 2016
Konflikt als Ressource?! Streit(en) in feministischen Bewegungen im Wandel der Zeit. (zus. mit Imke Schmincke). In: Berliner Blätter, in Begutachtung.
Zur politischen Verortung autobiographischer Erzählungen. Eine intersektionale Analyse des Geschlechterwissens in Autobiographien zum Thema FGM-C. (zus. mit Ananya Mehra) In: Open Gender Journal, in Begutachtung.
The Role of Race and Gender in Structuring Mobility. (zus. mit Ieva Puzo) In: Salazar, N. B. (Hrsg.): Anthropological handbook of mobility. Berghahn, im Erscheinen.
Contesting Imaginations of Romantic Love: An ethnographic analysis from the European Border. In: Narodna Umjetnost. Croatian Journal of Ethnology and Folklore Research 61/1, 2024.
Politics of reversal: Dangerous convergences of gender and race in migration and feminist politics. (zus. mit Sabine Hess) In: Berliner Blätter 88, 59–77, 2023. https://doi.org/10.18452/27999.
Im Namen der Frauen? Umkämpftes Wissen im gegenwärtigen Engagement gegen sexualisierte Gewalt. In: Hamburger Journal für Kulturanthropologie (HJK), 13/2021, S. 190-201.
Die Ökonomisierung der Migration durch Heirat. Ethnographische Einblicke in die staatliche Regulierung des ‚Ehegattennachzugs’. In: Braun, Karl; Dieterich, Claus-Marco; Moser, Johannes; Schönholz, Christian (Hrsg.): Wirtschaften. Kulturwissenschaftliche Perspektiven. MakuFEE 2019, S. 612-621.
Studying Marriage Migration to Europe from Below: Informal Practices of Government, Border Struggles and Multiple Entanglements (zus. mit Stephan Scheel). In: Gender, Place & Culture. A Journal of Feminist Geography 26/6 (2019), S. 847-867.
Politiken ethnographieren. Die ethnographische Regimeanalyse als situierter Forschungsmodus entlang von Aushandlungen, Kämpfen und Situationen (zus. mit Maria Schwertl). In: Rolshoven, Johanna/Schneider, Ingo (Hrsg.): Dimensionen des Politischen. Ansprüche und Herausforderungen der Empirischen Kulturwissenschaft. Neofelis Verlag 2018, S. 82-106.
Das ethnographische Porträt. Ein Plädoyer für eine didaktische Auseinandersetzung mit dem Schreiben als Lernprozess (zus. mit Alex Rau). In: Rau, Alex/Götz, Irene (Hrsg.): Facetten des Alter(n)s. Ethnografische Porträts über Vulnerabilitäten und Kämpfe älterer Frauen, Utz Verlag, 2017.
Die subtile Aufhebung eines Grundrechts. Wie die Bundesregierung Geflüchteten aus Syrien den Familiennachzug verwehrt (zus. mit Sebastian Muy). In: Migration und Soziale Arbeit 02/2017, S. 151-159.
Doing gender und das Regieren der Migration durch Heirat. Eine ethnographische Analyse der wechselseitigen Konstitution von Geschlecht und Grenze. In: Feministische Studien 34/2 (’Gender und Politiken der Migration’), 11/2016, S. 226-260.
‚The world has no limits, so why should you?’ Migration through Marriage in Times of Increasing Digitalization and Securitization of Borders. In: Gutekunst, Miriam; Hackl, Andreas; Leoncini, Sabina; Schwarz, Julia Sophia; Götz, Irene (Hrsg.): Bounded mobilities: Ethnographic Perspectives on Social Hierarchies and Global Inequalities. Transcript Verlag 2016, S. 209-222.
Language as a New Instrument of Border Control: The Regulation of Marriage Migration from Morocco to Germany. In: Journal of North African Studies 20/4 (2015), S. 540-552.
‚Das ist nun mal meine Arbeit!’ Methodologische Überlegungen zur Erforschung von ‚Positionen der Macht’ in einer ethnographischen Grenzregimeanalyse. In: kuckuck – Notizen zur Alltagskultur (Schwerpunkt: Politiken), 2015.
‚Die müssen sich integrieren!’ Zum Integrationsimperativ im Kontext des ’Ehegattennachzugs’ – eine Suche in Marokko. In: movements. Journal der kritischen Migrations- und Grenzregimeforschung 1, 2015.
‚Is this true love?’ Governing love in the context of marriage migration. In: Begonya Enguix, Jordi Roca (Hrsg.): Rethinking Romantic Love. Place, Imagineries and Practices. Cambridge Scholars Publishing, S.27-44, 2015.
Digitale Ausstellung: ‚Feministisch verändern: Räume, Kämpfe und Debatten in München‘ (2021), digitale Ausstellung, MA-Lernforschungsprojekt des Instituts für EKWEE, LMU München (zus. mit Birgit Erbe, Frauenakademie München e.V.), online verfügbar unter: https://www.feministisch-veraendern.de/
Dokumentarfilm: ‚Die Macht des Visums - Ein Dokumentarfilm zur Visavergabepraxis‘ (2024, Regie: Olivia Scheer): https://www.youtube.com/watch?v=GpxnUJaZBxY
Porträt: „Die interdisziplinäre Forschung an der Leuphana ist eine große Bereicherung für mich“ Miriam Gutekunst forscht als Gastwissenschaftlerin an der Leuphana (2025): https://www.leuphana.de/einrichtungen/gleichstellung/foerderung/gastwissenschaftsprogramm/miriam-gutekunst.html
Rezension zu: ‚Probst, Ursula: Prekäre Freizügigkeiten. Sexarbeit im Kontext von mobilen Lebenswelten osteuropäischer Migrant*innen in Berlin. Bielefeld 2023. In: H-Soz-Kult, 1.2.2024. online verfügbar unter: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-138443
Glossar: ‚Geschlechtertheoretische Perspektiven auf Arbeit‘, zus. mit Isabel Klein und Alexandra Rau; In: L 13 Reader Nr. 5: Glossar Arbeit, hrsg. von Lisa Britzger (Lothringer13), München 2023, online verfügbar unter: https://www.lothringer13.com/site/assets/files/2431/l13_reader_nr5_parttimecommitment.pdf
Rezension zu: ‚Faust, Friederike: Fußball und Feminismus: Eine Ethnografie geschlechterpolitischer Interventionen. Opladen 2019.‘ In: H-Soz-Kult, 21.4.2020, online verfügbar unter: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-29139
Rezension: ‚The Trade-Off Called Love? Knowledge about Love, Migration and Borders’, Film “Bezness as usual?” (2016) von Mohsen Ben Hassan. In: Migrant Knowledge Blog (GHI Washington), 2019, online verfügbar unter: https://migrantknowledge.org/2019/07/15/knowledge-about-love-migration-and-borders/
Broschüre: ‚Familienzusammenführung. Für ein Recht auf Familienleben für alle!‘, Broschüre herausgegeben zus. mit Hiltrud Stöcker-Zafari (Verband binationaler Partnerschaften und Familien): Frankfurt a.M. 2019, online verfügbar unter: https://www.verband-binationaler.de/fileadmin/Dokumente/PDF_Veranstaltungen_2019/Familiennachzug_broschuere_web.pdf
Artikel: ‚“Wir brauchen einen Feminismus, der Kolonialismus versteht!“ Transnationale Zusammenhänge feministischer Kämpfe‘, zus. mit Carina Flores und Lydia Lierke. In: Stimme - Ein Magazin von und für geflüchtete Frauen und Migrantinnen 2 (2018), S. 24-26.
Kommentar: ‚Familiennachzug: Wider den Ordnungswahn’, 14.2.2018, in MiGAZIN – Migration in Germany, online verfügbar unter: http://www.migazin.de/2018/02/14/familiennachzug-wider-den-ordnungswahn/
Kommentar: ‚Warum der Schutz von Ehe und Familie Leben rettet’, 12.11.2015, in MiGAZIN – Migration in Germany, online verfügbar unter: http://www.migazin.de/2015/11/12/warum-schutz-ehe-familie-leben/
Kultur als Konfliktfeld: Feministisches Engagement gegen geschlechtsspezifische Gewalt in der postmigrantischen Gesellschaft (DFG, seit 2023)
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworbenen Projekts „Ambivalentes Geschlechterwissen: Aushandlungen kultureller Differenz in feministischen Initiativen der postmigrantischen Gesellschaft“, das auch die Grundlage für meine Habilitation bildet, untersuche ich ethnografisch das Geschlechterwissen feministischer Initiativen, die sich gegen Phänomene wie ‚Zwangsheirat‘ oder ‚weibliche Genitalbeschneidung‘ engagieren. Diese stellen zentrale Felder feministischen Engagements in der postmigrantischen Gesellschaft dar und haben gemeinsam, dass kulturelle Differenz eine zentrale Argumentations- und Erklärungsressource für geschlechtsspezifische Gewalt bildet. Die Frage der Bedeutung kultureller Differenz für die Konstituierung von Geschlechterverhältnissen und damit einhergehende Debatten um Othering-Prozesse, Intersektionalität und Rassismen sind spätestens seit den 1990er Jahren – gerade in Zusammenhang mit der Integrationsdebatte – in Wissenschaft, Aktivismus und Praxis zu einem tief spaltenden Konflikt geworden und erhielten seit der Silvesternacht in Köln 2015/16 erneut eine erhöhte Aufmerksamkeit im medial-öffentlichen Bewusstsein. Eine Reihe kultur- und sozialwissenschaftlicher Studien beschreiben und kritisieren umfassend vergeschlechtlichte Bilder und Vorstellungen über „kulturell Andere“ sowie die Verstrickungen von Feminismus mit nationalistischen, kolonialen und rassistischen Politiken. In diesem Forschungsprojekt interessiert mich die Frage, wie dieses Geschlechterwissen in konkreten Praktiken eigentlich entsteht, wie es hergestellt und situativ ausgehandelt wird und wie es im politischen Handeln in Position gebracht wird. Bei diesen Fragen handelt es sich um ein Forschungsdesiderat, das mit dieser akteurszentrierten, praxeologischen Studie geschlossen werden soll. Gleichzeitig trägt das Projekt zu kulturtheoretischen Debatten im Fach Empirische Kulturwissenschaft/Europäische Ethnologie bei.
Mapping Gender Struggles: Geschlecht als Konfliktfeld sozialer Bewegungen der Gegenwart / Gender as Field of Conflict in Contemporary Social Movements (zus. Agnieszka Balcerzak, Birgit Erbe, Ananya Mehra, Alexandra Rau; seit 2023)
Geschlecht stellt eine zentrale Kategorie gegenwärtiger sozialer Bewegungen dar: Es ist nach wie vor das Kernthema feministischer und queerer Bewegungen, die in den letzten Jahren weltweit wieder an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen haben. Zudem sind Frauen und queere Personen als Sprecher*innen und zentrale Akteur*innen sozialer Bewegungen besonders sichtbar geworden, etwa bei Fridays for Future oder den Demokratiebewegungen in Belarus und im Iran. Gleichzeitig bildet Geschlecht auch ein umkämpftes Feld rechter und autoritärer Mobilisierung in Europa wie auf globaler Ebene – sei es in Form eines offen artikulierten Antifeminismus und Antigenderismus oder durch die Vereinnahmung feministischer Anliegen für rassistische und nationalistische Politiken.
Der Band, der aus der 18. Arbeitstagung der Arbeitstagung der Kommission Geschlechterforschung und Queere Anthropologie (DGEKW) heraus entstanden ist und in Kooperation mit der Frauenakademie München e.V. vom 23.-25.11.2023 in München stattfand, versammelt vierzehn Beiträge aus unterschiedlichen sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen, die diese widersprüchliche Konstellation analytisch in den Blick nehmen. Sie verbinden theoretische Diskussionen mit empirischen Fallstudien und eröffnen damit neue Perspektiven auf die Bedeutung aktueller Geschlechterkämpfe für das Verständnis gegenwärtiger Gesellschaften, Krisen und Konfliktlinien: https://www.dampfboot-verlag.de/de/bucher/mapping-gender-struggles
Feministisch verändern: Räume, Kämpfe und Debatten in München (zus. mit Birgit Erbe; 2020-2021)
In Bezug auf feministische Errungenschaften und Gleichberechtigung gibt es in dieser Zeit sehr unterschiedliche Gesellschaftsdiagnosen: Die Rede ist von einem Backlash und einer Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse – gerade in Zeiten der Pandemie (Allmendinger 2020), von einem postfeministischen Zeitalter im Sinne einer Phase der vermeintlich erreichten Gleichberechtigung, in der Feminismus nicht mehr benötigt werde (McRobbie 2010), von einer Neoliberalisierung des Feminismus, wodurch dieser im Mainstream angekommen, jedoch seines emanzipatorischen Anliegens beraubt wurde (Rottenberg 2018). Zu beobachten sind außerdem sowohl ein Erstarken transnationaler feministischer Bewegungen als auch ein weltweiter gesellschaftlicher Rechtsruck (Wichterich 2003), der sich sowohl durch einen offen artikulierten Antifeminismus als auch durch die Vereinnahmung feministischer Anliegen für rassistische und nationalistische Politiken zeigt (Hark/Villa 2017). All diese Tendenzen sind vorhanden und zeugen von einer Gleichzeitigkeit widersprüchlicher gesellschaftlicher Entwicklungen. Der Ausgangspunkt dieses Forschungs- und Ausstellungsprojekts war deshalb die Frage, wie sich die genannten gesellschaftlichen Tendenzen und Herausforderungen in konkreten lokalen Räumen, Kämpfen und Debatten feministischer Akteur*innen zeigen und im Alltag ausgehandelt und bearbeitet werden. Dabei konzentrierten wir uns im Rahmen des Masterstudiengangs Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der LMU München in Kooperation mit der Frauenakademie München beispielhaft auf München: Welche feministischen Bewegungen, Initiativen und Gruppen gibt es gegenwärtig in der Stadt, wie gestaltet sich ihre politische Praxis und was bedeutet für sie Feminismus? In der Zeit von Sommer 2020 bis Frühjahr 2021 entstand daraus die digitale Ausstellung „FEMINISTISCH VERÄNDERN: Räume, Kämpfe und Debatten in München“.
Migration, Heirat und staatliche Regulierung im europäischen Grenzregime (2013-2017)
Im Rahmen meiner Promotion untersuchte ich mit Hilfe einer transnationalen Ethnographie zwischen Marokko und Deutschland die staatliche Regulierung von Migration am Beispiel eines bestimmten legalen Migrationswegs: dem sogenannten Ehegatten- oder Familiennachzug. In diesem Rahmen verbrachte ich mehrere Monate in unterschiedlichen Städten in Marokko und forschte sowohl in Institutionen und Behörden als auch mit Personen, die das Visaverfahren durchliefen. Obwohl ich zunächst nicht explizit mit einer geschlechtertheoretischen Perspektivierung auf das Feld blickte, wurde sehr schnell deutlich, dass in den untersuchten Institutionen und Behörden nicht nur über die Einreise entschieden wird, sondern auch Geschlechterverhältnisse und normalisierte Vorstellungen von Liebe und Ehe ausgehandelt werden (‚doing gender while doing border‘). Ich konnte zeigen, wie die Europäischen Außengrenzen immer stärker externalisiert werden, sowohl geographisch in den Herkunftsländern als auch durch die Einbindung neuer Institutionen wie dem Goethe-Institut in die Selektionsverfahren. Durch die Ethnographie wurde deutlich, wie tief die Europäische Grenze auch in die Alltage (und Privatsphäre) der Betroffenen reicht und hier Liebes- und Familienbeziehungen mitregiert werden. Die Studie leistet einen Beitrag zur Erforschung des ‚doing gender‘ innerhalb von Grenzregimen sowie der Ethnographie politischer Felder.