Jaguar, Drohne, Mensch

Das Teilprojekt aus dem Sonderforschungsbereich 'Vigilanzkulturen' beschäftigt sich mit Wachsamkeitspraktiken in den Amazonasgebieten Perus und Ecuadors. Wie verändern sich inidigene Konzepte von Wachsamkeit im Feld eines sich stetig globalisierenden Umweltschutzes?

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Titel
Jaguar, Drohne, Mensch: Indigene Wachsamkeit in Amazonien
Das Projekt ist ein Teilprojekt des Sonderforschungsbereiches 'Vigilanzkulturen' (SFB 1369)
Projektleitung
Prof. Dr. Anna Meiser
Projektmitarbeit
Jonas Bauschert, M.A.
Laufzeit
Juli 2023 - Juni 2027

Inhalte und Ziele

Im Zentrum der Untersuchungen steht Community-Based Monitoring (dt. Gemeindebasiertes Monitoring) als spezifische Wachsamkeitspraktik lokaler Umweltveränderungen. Dies umfasst die ehrenamtliche Teilnahme indigener und lokaler Gemeinschaften an Patrouillengängen und Umweltüberwachung im Amazonasgebiet Perus und Ecuadors. Die spezifischen Tätigkeiten sind von einem überindividuellen Interesse (dem Schutz des Regenwaldes) im Zusammenspiel mit individuellen wie kollektiv-indigenen Interessen (Schutz der eigenen Gemeinschaft und des eigenen Territoriums) geprägt. Ziel des Forschungsprojekts ist es, zu analysieren, auf welche Weise sich indigene Konzepte und Praktiken von Wachsamkeit durch den Einbezug von externen Akteuren und die Einführung neuer Technologien verändern. Dabei soll explizit auch untersucht werden, wie lokales Wissen sowie relationale Ontologien auf globaler Ebene verarbeitet werden und welche Veränderungen dies impliziert. Oder auch umgekehrt: Wie wird globales Wissen auf lokaler Ebene angeeignet und kontextualisiert?

Der regionale Schwerpunkt der Untersuchungen liegt auf dem Amazonasgebiet Perus und Ecuadors (vorrangig auf den Departamentos Cusco sowie Madre de Dios in Peru und der Provinz Pastaza in Ecuador). Dabei pflegen sowohl Anna Meiser als auch Jonas Bauschert langjährige Kontakte zu Forschungspartner:innen in den Regionen. Sie arbeiten eng mit indigenen Dachverbänden (z.B. COICA, CONFENIAE, AIDESEP), aber auch mit staatlichen Akteuren, spezifischen Monitoringprogrammen, einzelnen indigenen Gemeinden oder lokalen (interkulturellen) Universitäten zusammen.

Aktivitäten und Methoden

Die angewandten Methoden umfassen vorrangig ethnographische Feldforschung vor Ort durch teilnehmende Beobachtung an Ausbildungsworkshops, Patrouillengängen aber auch explizit dem Leben vor Ort. Es gilt hier, eine holistische Perspektive auf die Praktiken zu erlangen. Weiterhin sind qualitative Interviews und informelle Gespräche ebenso Teil der ethnographischen Praxis wie die Sichtung von Medienbeiträgen und Veröffentlichungen indigener Organisationen und nationaler/internationaler NGOs.

  1. Auf einem weißen Papier zeichnet jemand ein Ökosystem mit einem Baum, einem Fluss, Vögeln und einem Menschen.
  2. uf einem Tisch liegt eine Drohne, zwei Personen stehen dahinter und betrachten diese.
  3. Drei Menschen laufen an einem Hügel hinauf durch dichten Wald.

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© Jonas Bauschert

Die vigilantes José Vargas und Karina Chumpi am Sitz der CONFENIAE, der indigenen Organisation für das ecuadorianische Amazonasgebiet, in Unión Base bei Puyo.

© Anna Meiser

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© Jonas Bauschert

Konferenzen und Austausch

Im September 2024 fand eine virtuelle Konferenz mit Gästen aus Ecuador, Peru und Deutschland statt, um einen internationalen Erfahrungsaustausch über gemeindebasiertes Monitoring anzuregen. Erkenntnisse daraus flossen in die Feldforschungsfragen ein (vgl. hierzu Tagungsbericht auf Deutsch und Spanisch unten). Im Juni 2026 wird eine weitere internationale Konferenz mit indigenen Gästen aus Ecuador und Peru im Museum Fünf Kontinente in München stattfinden. Dabei stehen Fragen nach der Praxis der Umweltwächter:innen sowie einer globalen Responsibilisierung im Fokus. Im Weiteren soll geklärt werden, inwiefern dekoloniale Potentiale mit eben dieser indigenen Wachsamkeit einhergehen und wie diese indigenen Gemeinschaften in ihrer Handlungsmacht stärken kann. Nicht zuletzt ist die Tagung Teil einer internationalen Aufmerksamkeitslenkung, welche Amazonien in den Fokus aktueller Debatten rückt und unseren indigenen Gästen eine performative Umsetzung ihres Wissens ermöglicht.

Projektveröffentlichungen

· Bauschert, Jonas (2025). Multidimensionales (Umwelt-)Monitoring in Amazonien. In: Mitteilungen des Sonderforschungsbereichs 1369 'Vigilanzkulturen' 1 (2025), S. 10-17.

· Bauschert, Jonas (2025). Informe de la conferencia. Encuentro Internacional: Vigilancia en la Amazonía – Prácticas y perspectivas indígenas en el contexto actual. In: Vigilanzkulturen (04. 02.2025), https://vigilanz.hypotheses.org/9740.

· Bauschert, Jonas; Ritchie, Hannah (2024). Encuentro internacional. Vigilancia en la Amazonia: Practicas y perspectivas indígenas en el contexto actual. – Internationales Treffen. Vigilanz in Amazonien: Indigene Praktiken und Perspektiven im aktuellen Kontext. In: Mitteilungen des Sonderforschungsbereichs 1369 'Vigilanzkulturen' 2 (2024), S. 46-49.

· Bauschert, Jonas; Meiser, Anna (2024). Actors of vigilance. Indigenous environmental monitoring in Amazonia. In: Vigilanzkulturen (16.04.2024), https://vigilanz.hypotheses.org/?p=5515.

· Ritchie, Hannah (2025). Environmental vigilance. An intercultural endeavor – Part I & II. In: Vigilanzkulturen (09./14.07.2025 &), https://vigilanz.hypotheses.org/12430; https://vigilanz.hypotheses.org/12522.

Weitere Beiträge

Ein Radiobeitrag der Journalistin Jenny von Sperber zur Tagungswoche wurde auf Bayern 2 ausgestrahlt: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/welt-am-abend/ard-wissen-bme-umweltmonitoring-lernen-von-indigenen-umweltwaechtern-100.html

Ein weiterer Beitrag über die Besucher:innen aus Amazonien ist auf BR24 erschienen. Darin ist auch der erste Audio-Beitrag vom Donnerstag integriert: https://www.br.de/nachrichten/wissen/lernen-von-indigenen-umweltwaechtern-waldmonitoring-im-amazonas,VNdO5dF