Studienreise nach Usbekistan

Welt:
Iranistik und Turkologie
Name der Exkursion:
Exkursion nach Uzbekistan
Zeitraum der Exkursion:
20. September - 3. Oktober 2025
Ort:
Taschkent - Samarkand - Buchara - Chiva

Exkursionsbericht: Usbekistan (21.09.2025-03.10.2025)

Nach zwei intensiven Ganztagsseminaren waren alle bestens gerüstet für die bevorstehende Exkursion nach Usbekistan. Mit Referaten aus den unterschiedlichsten Bereichen von Geschichte und Politik über Wirtschaft und Institutionen bis hin zu Kultur, Religion und Sprache(n), war für reichlich Wissen und Abwechslung gesorgt.

Mit fünfzehn Teilnehmern machten wir uns gemeinsam mit Prof. Dr. Mehmet Hacısalihoğlu, Dr. Christl Catanzaro und Dr. Ergün Özsoy auf die zwölftägige Reise und erkundeten mit Bus und Zug vier der beeindruckendsten Städte in Usbekistan: zuerst die Hauptstadt Taschkent, danach Samarkand und Buchara und zum krönenden Abschluss Chiwa. Ein großes Dankeschön an die vier Studierende, die sich jeweils einer Stadt angenommen haben und uns diese nicht nur ausführlich, sondern auch äußerst eindrucksvoll vorstellen.

Viel Spaß beim Lesen!

Salome Gandji

Taschkent (von Magdalena)

Unsere ersten Eindrücke in Usbekistan durften wir in der Hauptstadt des Landes gewinnen. Taschkent mit seinen über drei Millionen Einwohnern begrüßte uns am 21.09.2025 und verabschiedete uns auch wieder, als wir das Land am 03.10.2025 verließen. Empfangen wurden wir, die aus München Angereisten, von unseren Mitstudierenden und Professoren, die bereits etwas früher aus der Türkei angereist waren, sowie einer lebendigen Stadt, vielen bunten Lichtern, an die Sowjetzeit erinnernde Wohnblocks, Hotels und neue prunkvolle Gebäude mit Glas und Mamorverkleidungen. Da die Nacht bereits fortgeschritten war, als wir unser Hotel über die verwinkelten Straßen erreicht hatten, verbrachten wir unseren ersten gemeinsamen Abend in einem nahegelegenen Restaurant. Dort durften wir zum ersten Mal die usbekische Küche kennenlernen. Mit unseren Türkisch -und Persischkentnissen, sowie durch Handzeichen und Versuche die Namen der Gerichte auf Usbekisch vorzulesen, bestellten wir die Klassiker der Region: Plov (Reisgericht), Samsa (Teigtaschen aus dem Tandor), Shashlik (Fleischspieße), Shorba(Suppe) - und nicht zu vergessen das Lieblingsgericht unser Vegetarier: Gretchka (gerösteter und gekochter Buchweizen).

Am nächsten Morgen begannen wir mit der Erkundung der Stadt. Wir besuchten unter anderem das Amir Temur Monument, eine Statue aus Bronze, die den Nationalhelden mit erhobener Hand auf seinem Reitpferd zeigt, sowie das Amir Temur Museum, welches wir aber nur von außen besichtigen konnten. Das Gebäude ist rund und mit einer markanten blauen Kuppel versehen, rundum sind Holztüren mit Schnitzereien angebracht und über jeder Tür kann man in arabischer Kalligraphie eine der Tugenden Timurs lesen.

Ein weiteres wichtiges Monument ist das Denkmal der trauernden Mutter, das wir im Anschluss besuchten. Eine sitzende, in sich gekehrte Frauenfigur aus Bronze sieht um den gefallenen Sohn trauernd, zu Boden. Vor ihr brennt “die ewige Flamme”, diese soll an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern. Das Denkmal steht in einer ruhigen, gepflegten Anlage mit Gedenktafeln, auf denen die Namen gefallener Soldaten verzeichnet sind, die hohe Zahl der Gefallenen prägt das nationale Gedenken auch heute noch stark.

Das Konservatoriums konnten wir leider aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen nicht als Gruppe besuchen. Eine Studentin ermöglichte uns aber durch ihren Bericht einen lebhaften Einblick in den Studienalltag. Zur heißen Mittagszeit besuchten wir die Mall Taschkents und spontan eine Austellung, außerdem aßen wir dort zu Mittag. Am Nachmittag standen der Besuch des Chorsu-Basars an, welcher als einer der ältesten Basare Zentralasiens gilt und von einer sehr schönen blauen Kuppel überdacht wird, und der Besuch des Hasrati-Imam-Komplexes. Sowohl der lebendige Basar, mit seinen Tees, Gewürzen, Melonen und Tomaten, als auch der ruhige und mächtige Hasrati-Imam-Komplex waren Teil meiner persönlichen Höhepunkte.

Nach einer weiteren Nacht brachen wir am Morgen mit Gepäck nach Samarkand auf, besuchten aber auf dem Weg zwei weitere Orte. Zum einen das Museum für angewandte Kunst, hier konnten wir traditionelles Kunsthandwerk sowie einen reich verzierten Innenhof bewundern.

Zum anderen das Museum für die Opfer der Repression sowie den umgebenden Park und das Denkmal, der Komplex ist offiziell bekannt als „Shahidlar Xotirasi“. Nach vielen neuen Eindrücken ging es anschließend weiter nach Samarkand.

Samarkand (von Philip)

Nach der spätabendlichen Ankunft in Samarkand und einer recht kurzen Nacht stand am nächsten Morgen ein erster offizieller Termin mit unserer Partneruniversität, der Samarkand State University, auf dem Programm. Einen sportlichen Spaziergang durch die noch gänzlich unbekannte Stadt später gelang es uns dennoch, das Ziel in mehreren Kleingruppen fast pünktlich zu erreichen. Vor Ort wurden wir bereits erwartet und sehr freundlich von einer Abordnung der Universität und einigen Studierenden in einem für unser Treffen bereitgestellten Konferenzraum empfangen. Auf eine Kennenlernrunde folgten einige interessante Präsentationen aus ausgewählten Forschungsgebieten des akademischen Personals. Anschließend kamen wir erneut in den Genuss des usbekischen Nationalgerichts, diesmal in der zur Mittagszeit gut gefüllten Universitätsmensa, wo uns unter dem vollen Einsatz unserer Gastgeber eine Tafel für unsere gut 20 Personen umfassende Gruppe organisiert wurde. Derart gestärkt durften wir unseren Besuch in der Handschriftenbibliothek der Universität beschließen, wo es Raum für unsere Fragen gab und einige ausgewählte Manuskripte gezeigt wurden. Vielen Dank an alle Mitarbeitenden und Studierenden der Samarkand State University! Aus dem von monumentaler, zeitgenössischer Architektur geprägten Taschkent kommend, sollte sich uns dann zum ersten Mal die für Usbekistan so typische, von sandfarbenen Backsteinen und den in verschiedensten Blau- und Grüntönen leuchtenden Fliesen geprägte islamische Architektur präsentieren. Im Exkursionstempo für Fortgeschrittene führte uns die nachmittägliche Sightseeing-Tour fußläufig von der türkis leuchtenden Nekropole Shah-i Zinda über die mächtige Bibi-Khanum-Moschee und den benachbarten Basar zu den jeweiligen Mausoleen zweier der bekanntesten historischen Gesichter des Landes, nämlich denen des Stammesführers der Timuriden, Amir Temur († 1405), und dem des ersten Staatspräsidenten seit der Unabhängigkeit Usbekistans von der Sowjetunion, Islam Karimov († 2016). Um zahlreiche Eindrücke und Souvenirs reicher, nahmen wir unser Abendessen in der Gesellschaft unserer Gastgeberin von der Samarkand State University, Frau Yakubova, in einem prächtigen Restaurant ein, welches auch den idealen Rahmen bot, um den Geburtstag eines unserer Gruppenmitglieder gebührend mit einer usbekischen Tanzeinlage und reichlich Tischfeuerwerk zu feiern. Ein großartiges Erlebnis! Unser zweiter Tag in Samarkand begann bei bestem Sommerwetter mit der Besichtigung des im 15. Jahrhundert errichteten Observatoriums von Ulugh Beg und führte uns anschließend in die zentral gelegene und begehbare archäologische Ausgrabungsstätte der 750 v. Chr. an der Stelle des heutigen Samarkand gegründeten Oasenstadt Afrasiab. Nach einer kurzen Erholungspause hielt der frühe Abend zum Abschluss unseres Aufenthalts in Samarkand noch ein absolutes Highlight bereit: den Besuch des berühmten Registan-Platzes mit seinem aus drei imposanten Medresen (15.–17. Jh.) bestehenden, einzigartigen architektonischen Ensemble. Nicht nur durch die atmosphärische nächtliche Beleuchtung ein Ort, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Mit dem Gefühl, so langsam in Usbekistan angekommen zu sein, sollten wir am nächsten Morgen die Großstadt fürs Erste hinter uns lassen und die etwa achtstündige Busfahrt nach Buchara durch wüstenartiges Terrain antreten.

Buxoro (von Eri)

Nach Taschkent und Samarkand war Buchara unsere dritte Etappe der Usbekistan Reise.

Buchara war und ist einer der größten Handelsknoten und Umschlagplätze Zentralasiens. Ihr Name steht nicht nur für die Stadt, sondern auch für die ganze Region.

Als eine der ältesten Städte des turkmenischen Komplexes steht ihr Ruf für alles Exzentrische in der Literatur aus dem 8. bis 12. Jahrhundert (siehe die Geschichten von 1001 Nacht). Ab dem 7./8. Jahrhundert stand sie unter arabischer Herrschaft, die erste Moschee wurde errichtet. Die Zeit des Wohlstandes und des kulturellen Höhepunktes begann jedoch erst Ende des 9. Jahrhunderts mit der Herrschaft der Samaniden. Es war die Zeit der ersten Medrese der Region und von Dichtern wie Rudaki oder Firdausi, Wissenschaftlern wie unter anderem Avicenna (Ibn Sina) und Al-Buchari oder den Architekten, die das Samaniden-Mausoleum errichteten.

Den Samaniden folgten die Karahaniden. Auch unter deren Herrschaft ging diese Wohlstandsphase weiter bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts, als Dschingis Khan und seine mongolischen Horden die ganze Region mit Buchara und anderen Städten in Schutt und Asche legten. Von dieser zerstörerischen Zeit erholte sich Buchara nicht mehr in ihre vorherige Glanzzeit. Allerdings entwickelte sie sich in ein religiöses Zentrum unter dem bekannten Sufi-Orden des Nakschi-Bendi (diejenigen unter uns, die den Flug am 20. September aus Istanbul nahmen, wurden Zeuge einer Gruppe von Gläubigen aus dem Vereinigten Königreich in ihrer speziellen Kleidung, die zum Grab des Nakschi-Bendi pilgern wollten).

Etwa 100 Jahre danach - ab dem Jahr 1500 - kehrte eine Periode der Glanzzeit zurück, die während der Zeit der Khanate langsam versiegte. Buchara stieg in die Provinzialität ab.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Stadt und Region wiederholt zerstört, dieses Mal von den Persern. Der letzte Schlag wurde Buchara und der ganzen Region Anfang des 20.Jahrhundert von den Sowjets im Jahr 1920 versetzt. Diese Besatzung dauerte im Falle Usbekistans 75 Jahre bis zur Unabhängigkeit 1996.

In dieser Zeit wurden viele Ethnien vermischt. Zu den Usbeken und persisch sprechenden Tadschiken sowie Turkmenen in der Gegend von Chiwa kamen die Russen, die ihre Sprache zur offiziellen Sprache machten. Noch heute sind viele öffentliche Tafeln auf Russisch oder zweisprachig, Usbekisch und Russisch. Mit der sowjetischen Besatzung kam auch die Stalinistische Unterdrückung mit der berühmten Hungerzeit (Holodomor), in der alle sowjetisch besetzten Satellitenstaaten ihre Ernte im russischen Kernland abliefern mussten (im Westen war das Hauptopfer die Ukraine mit geschätzten zwei Millionen Hungertoten).

Beim Einchecken fiel der „Karawanserei“-Stil der beiden Hotels, auf die wir verteilt waren, auf. Ein schöner Hof umrundet mit den Zimmern, rundherum auf 2 Stockwerke verteilt – ein Hinweis auf die Geschichte der Stadt, die ein Knotenpunkt der Handelswege war.

Die Stadt machte auf den ersten Blick einen touristischen Eindruck, wie man es etwa in Istanbul oder anderen Städten des Nahen Ostens sieht. Dazu trug die Kommerzialisierung des Hauptplatzes, Labi Chaus mit seinen vielen Kaffeehäusern und Souvenirgeschäften bei. Dieser große Platz mit einem Bassin und einer Fontaine in der Mitte war ein sehr lebhafter Ort. Es wäre müßig von mir, die von uns besuchten Sehenswürdigkeiten aufzuzählen und zu beschreiben. Da haben meine Kommilitonen wunderbare Arbeit geleistet, mit der ich sicherlich nicht mithalten kann. Trotzdem will ich hier meine eigenen Eindrücke von ein paar Orten wiedergeben, die mich bewegt oder zum Nachdenken animiert haben.

Das Samaniden-Mausoleum

Es war das älteste Monument, das wir gesehen haben, das in seinem originalen Zustand noch erhalten ist. Die meisten anderen Sehenswürdigkeiten wie z.B. Moscheen, Medresen, gigantische Minarette oder Mausoleen waren zum Teil spätere Werke, hatten unter verschiedenen Zerstörungen gelitten oder waren dem Verfall überlassen worden. Diese wurden dann meistens während der Nachstalinistischen Zeit oder danach wieder aufgebaut und sind daher nicht mehr authentisch. Andere Sehenswürdigkeiten (deren Zustand zur Zeit der Unabhängigkeit mir nicht bekannt ist) wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts oder kurz vor der Sowjetzeit gebaut und sind somit relativ neu.

Die Tatsache ob authentisch oder nicht spielt natürlich keine Rolle bei der Besichtigung dieser Meisterwerke, weil deren Anblick auf jeden Fall prachtvoll war.

Das Kriegsdenkmal im Samaniden-Park

Dieses Denkmal, das an die Opfer der gefallenen usbekischen Soldaten erinnert und von den Sowjets errichtet wurde, hat mich trotz seines pathetischen Stils beeindruckt.

Wenn man sich mit der Geschichte des 2. Weltkrieges auskennt, weiß man, dass es die Usbeken, Kirgisen, die Tadschiken, Turkmenen und Kasachen waren, die die Sowjetunion zum Sieg über das angreifende Deutschland geführt haben. Die Opferzahlen dieser Völker gingen an die Millionen. Wenn man bedenkt, wie böse Stalin diese Menschen, die kolonialisiert wurden, behandelt hatte, ist so ein Denkmal mehr als berechtigt und bedeutungsvoll.

Die riesigen Mauern der Ark-Zitadelle

Diese waren für mich bis zu diesem Zeitpunkt unserer Reise einzigartig (später auf unserem vierten Stopp in Chiva sollte ich noch eindrucksvollere sehen.) Die Zitadelle schien nicht groß zu sein. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass Teile davon nicht zum Besuch freigegeben wurden. Sie war auf einem Hügel gebaut, wodurch der Ausblick auf die Stadt wunderschön war. Interessant war der Kontrast zwischen dem von den Sowjets gebauten Wasserturm und dem viel älteren Kalın-Minarett.

Die verschiedenen Moscheen und Medresen

Die verschiedenen Moscheen und Medresen, die wiederhergestellt wurden, waren begehbar, was in Samarkand nicht immer der Fall war. Meinen Erkundungen zufolge war der Boden in Samarkand nicht stabil genug, um die Bauten im Ganzen auszubauen. Das sahen wir in Buchara an den großen Minaretten und teilweise an den Wänden, die leicht schief waren.

Noch eine persönliche Notiz

Während der Jahre 1941 bis 1945 war die Region Buchara ein Ort, wo viele polnische Flüchtlinge, jüdische wie auch christliche, gelebt haben. Der geschichtliche Hintergrund ist zu lang und würde nicht in diesen Rahmen passen.

Meine Schwiegermutter mit ihren Geschwistern war unter diesen Flüchtlingen. Die Eltern waren nicht darunter, da sie gleich zu Beginn unter den Opfern waren.

Allerdings wurde damals die ganze Großregion, also auch die heute angrenzenden Länder, wie Kirgisistan und andere, Buchara genannt, so dass ich nicht genau weiß, wo sie sich aufgehalten hatten. Tatsche ist jedoch, dass alle Flüchtlinge zwar mit dem Leben davongekommen waren, aber eine sehr schwere Zeit hatten mit wenig bis gar nichts zu essen, da die Bevölkerung selbst hungerte. Es mangelte ebenso an Schlafplätzen, vor allem im Winter in dem rauen Klima Zentralasiens.

Es hatte mich sehr gefreut, dass wir die kleine Synagoge, die zwar gesperrt war, besuchen wollten. Der Nebenraum, der eine jüdische Wohnung war, war für mich sehr aufregend.

Die Hauptsynagoge, die sich heute in einem Teil eines Hotels befindet, dient zurzeit den noch etwa 200 in Buchara lebenden Juden als Versammlungsort und Ausführungsort für ihre religiösen Belange. Die Gemeinde, die sich schon über 600 Jahre an diesem Ort befindet, wurde von Amir Timur hier zwangsangesiedelt. Sie stammten mehrheitlich aus dem damaligen Persischen Reich, das Timur zum Opfer fiel.

Zum Schluss

Zum Schluss das Wichtigste: die Usbeken! Ich denke, wir alle haben die Erfahrung gemacht, wie nett, höflich und hilfsbereit die Menschen in allen Städten waren, die wir besuchten.

Meine und, davon bin ich überzeugt, unser aller Empfehlung ist: Ein wunderbares Land, das einen nochmaligen Besuch wert ist.

Ich danke allen meinen Mitreisenden und den Organisatoren.

Xiva (von Felix und Iclal)

Nach einer mehrstündigen Busfahrt aus Buchara erreichten wir am Abend des 28. September die Stadt Xiva, den letzten Stopp unserer Exkursion. Bei unserer Ankunft warteten wir zunächst vor verschlossenen Toren. Der Zugang zur ummauerten Altstadt, dem Itchan Kala, war bereits geschlossen, und unser Hotel – das Otabek B&B – befand sich innerhalb der Stadtmauern. Glücklicherweise fanden wir schließlich ein geöffnetes Nebentor, durch das wir zu Fuß die Altstadt betreten konnten. Nach der langen Fahrt waren wir alle froh, uns kurz ausruhen zu können, bevor wir am nächsten Tag unsere Erkundungen begannen.

Am folgenden Morgen machten wir uns zunächst auf den Weg zum Haupttor Ota Darvoza, um dort Eintrittskarten für die Altstadt zu erwerben. Diese Tickets ermöglichen den Zutritt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Museen innerhalb der Stadtmauern und sind für den gesamten Bereich gültig. Da unsere Bargeldreserven gegen Ende der Reise langsam schwanden, nutzten viele von uns auch die Gelegenheit, direkt am Tor Geld zu wechseln. Hier gaben uns Felix und Herr Hacısalihoğlu einen historischen Überblick über das Khanat von Xiva, dessen politische und kulturelle Bedeutung im 17. und 18. Jahrhundert die Region nachhaltig prägte.

Anschließend besichtigten wir das berühmte, unvollendete Minarett Kalta Minor, dessen massiver, türkis glitzernder Ziegelbau einen eindrucksvollen Blickfang im Stadtbild darstellt. Weiter ging es zur Konya Ark, der ehemaligen Zitadelle der Khane, in der heute das Choresm-Museum sowie ein kleines Münzmuseum untergebracht sind. Auf der historischen Theaterbühne der Festung hielt Iclal einen kurzen Vortrag über die Geschichte und Funktion dieser Anlage. Danach besuchten wir die Muhammad-Amin-Medrese, eines der größten islamischen Lehrgebäude Zentralasiens, und legten dort eine kleine Pause bei Tee und Kaffee ein. Währenddessen hatten wir das Glück, die Dreharbeiten zu einem Musikvideo (YouTube: Xamdam) mit Sänger und Tanzgruppe live mitzuerleben – ein unerwartetes, aber unterhaltsames kulturelles Erlebnis.

Am Nachmittag besichtigten wir in Kleingruppen individuell ausgewählte Sehenswürdigkeiten, darunter die Freitagsmoschee (Juma-Moschee) mit ihren über 200 hölzernen Säulen, das Mausoleum des Pahlavan Mahmud, den Stadtpatron von Xiva, sowie die Islam-Hodscha-Medrese mit ihrem markanten, schlanken Minarett.

Der nächste Tag begann mit einer Austauschrunde, in der wir über unsere Eindrücke und Lernerfahrungen der individuellen Besichtigungen sprachen. Zur Auflockerung hatte jeder für die Gruppe eine Quizfrage zu einem der besuchten Orte vorbereitet um das Gelernte zu festigen. Anschließend besuchten wir gemeinsam das deutsche Mennonitenmuseum, das die Geschichte der im 19. Jahrhundert nach Zentralasien ausgewanderten Mennoniten beleuchtet, sowie die Shergazi-Medrese, die Ausstellungen zu Heilkunde und Dichtung beherbergt.

Nach einer kurzen Mittagspause führte uns der Weg zur prächtigen Tasch-Hauli-Palastanlage, wo Iclal uns mit einem weiteren Vortrag die Architektur und die symbolische Bedeutung der Räume näherbrachte. Nach einem gemütlichen Spaziergang erreichten wir den Timche-Basar, wo Luka einen informativen Vortrag über usbekische Textilien und Muster hielt.

Den Abschluss unseres Aufenthalts bildete ein gemeinsames Abendessen in einem traditionellen Restaurant, bei dem wir verschiedene usbekische Spezialitäten wie Osh, Somsa und Manti genießen konnten – ein würdiger Ausklang einer ereignisreichen Reise. Am nächsten Morgen hieß es schließlich Koffer packen und Abschied nehmen: Vom Bahnhof Xiva aus traten wir die 16-stündige Nachtzugfahrt nach Taschkent an, die uns zurück zum Ausgangspunkt unserer spannenden Exkursion führte.

  1. Die Reisegruppe isst am Tisch
  2. Bukhara
  3. Bukhara
  4. Usbekistan_Exkursion_DLL
  5. Usbekistan_Exkursion_Besprechung
  6. zwei_usbekinnen
© Zeynep Öztürk
© Mehmet Hacisalihoglu
© Mehmet Hacisalihoglu
© Mehmet Hacisalihoglu
© Mehmet Hacisalihoglu
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