Corpus Draculianum
Dokumente und Chroniken zum walachischen Fürsten Vlad der Pfähler 1448-1650
Dokumente und Chroniken zum walachischen Fürsten Vlad der Pfähler 1448-1650
Herausgegeben von Thomas M. Bohn, Adrian Gheorghe und Albert Weber
Vlad Ţepeş Drăculea (1431-1476) ist eine der bekanntesten Gestalten aus dem spätmittelalterlichen Südosteuropa. Als Vorlage für Bram Stokers Vampirgrafen „Dracula“ erlangte er 1897 Weltberühmtheit. Seit dem Bestseller „In Search of Dracula“ von Raymond McNally und Radu Florescu wurde man 1972 auch auf die historische Figur aufmerksam: Demnach versuchte der Woiwode der Walachei nach orientalischem Vorbild eine autoritäre Herrschaft zu etablieren und einen Kreuzzug gegen das Osmanische Reich zu führen. Wegen seiner bevorzugten Hinrichtungsmethode erhielt er von Rumänen und Osmanen den Spitznamen „der Pfähler“. Westeuropäische Chronisten und Verleger von Gruselgeschichten sorgten unter dem Eindruck der Türkengefahr bis zum ausgehenden 17. Jahrhundert für die Verbreitung des Bildes eines grausamen Tyrannen.
Das Ziel der Quellensammlung besteht darin, die in insgesamt 17 europäischen und orientalischen Sprachen erhaltenen Briefe, Urkunden und Erzählungen zu Vlads Leben und Herrschaft durch kritische Edition, Übersetzung und Kommentar der Originale den wissenschaftlich Interessierten als Grundlage für Forschungsarbeiten als auch einem breiten Publikum zur Lektüre zur Verfügung zu stellen.
Geplant ist eine Veröffentlichung in drei Bänden:
Bearbeitet von Albert Weber, Adrian Gheorghe, Marian Coman. Ca. 450 S. (voraussichtlich Ende 2016)
Der erste Band enthält die dokumentarischen Quellen, die, anders als die narrativen, dem historischen Geschehen am nächsten standen: 31 Briefe und Urkunden aus der Kanzlei Vlads des Pfählers und über einhundert aus den Kanzleien anderer Monarchen oder als Briefe verfasste Zeugnisse von privaten Augenzeugen. Darin enthalten sind Beschreibungen des politischen Geschehens, Berichte über Feldzüge, über Strafaktionen Vlads sowie über seine außen- und innenpolitischen Konzeptionen, was den Briefen teilweise den Charakter von Ego-Dokumenten verleiht.
Bearbeitet von Albert Weber und Adrian Gheorghe. Ca. 550 S. (voraussichtlich Ende 2019)
Der zweite Band gibt alle narrativen europäischen Quellen wieder. In einem ersten Kapitel kommen drei rumänische Chronisten zu Wort, die in Vlad vor allem einen Hüter der Gerechtigkeit sehen. Im zweiten Kapitel werden die Geschichten, Dichtungen und Berichte wiedergegeben, die infolge der Propagandakampagne des ungarischen Hofes verbreitet wurden. Um sich selbst zum ersten Verteidiger des katholischen Christentums stilisieren zu können, ließ der ungarische König Matthias Corvinus Schauergeschichten über Vlad verbreiten. Die sogenannten Deutschen Geschichten stellen dabei das wichtigste Zeugnis ihrer Zeit dar. Ihre Kolportage wurde von einflussreichen Historiographen und Literaten gewährleistet (über 80 Autoren). Das dritte Kapitel gehört der russischen Überlieferung: In der Forschung wird gemutmaßt, der Stoff sei durch Vermittlung eines russischen Diplomaten in das Moskauer Reich geraten und von einem Mönch in einem nordrussischen Kloster interpretiert worden. Vlads Konversion zum Katholizismus wird darin als Verrat an der Orthodoxie dargestellt, sein Autoritarismus aber als Ausdruck einer gerechten Herrschaft gewertet.
Bearbeitet von Adrian Gheorghe und Albert Weber. 462 S. (erschienen 2014)
Der dritte Band enthält ausschließlich narrative Quellen: Mehmed II., der Eroberer Konstantinopels, führte 1462 eine Strafexpedition an, gegen die sich Vlad mit einigem Erfolg zur Wehr setzte. Die von Feldzugsteilnehmern, Hofhistoriographen und byzantinischen Chronisten verfassten Darstellungen zentrieren um die spektakulären Ereignisse. Für die Osmanen (28 Autoren) war Vlad ein verräterischer Rebell und Verbrecher, der vom übermächtigen Sultan vernichtend geschlagen wurde. Für die von den Osmanen beherrschten Griechen (6 Autoren) hingegen repräsentierte er einen Widerstandskämpfer, der im persönlichen Kampf das Heer des Sultans aufgerieben und zum Rückzug gezwungen haben soll.
Die Edition schließt eine wichtige Lücke in der Forschung, indem sie Quellen aus unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Kontexten zusammenführt und durch moderne Übersetzungen nutzbar macht. Es ist daher zu erwarten, dass es sich als historisches Lesebuch und konkurrenzloses Grundlagenwerk durchsetzt.