Südosteuropäische Ortsnamenkonkordanz
TEIL: BULGARIEN
TEIL: BULGARIEN
Das Projekt ist Teil eines umfangreichen und langfristig angelegten Forschungsvorhabens zur historischen Toponymie Südosteuropas. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die „türkische, slawische, rumänische, griechische, albanesische Bezeichnung einer und derselben Stadt, desselben Fleckens, Dorfes etc. mitunter in unkennbarer Weise voneinander differieren“, wie bereits der Geograph Ami Boué im 19. Jahrhundert feststellte.
Die Idee zu einer südosteuropäischen Ortsnamenskonkordanz wurde in den 1960er Jahren von Prof. Dr. Hans Joachim Kissling, Direktor des Instituts für Geschichte und Kultur des Nahen Orients sowie Turkologie der Universität München, entwickelt und initiiert. Ziel des Projekts war es, nach Kisslings Worten „die alle nur irgendwie erreichbaren Namen und Namensformen jedes einzelnen Ortes soweit irgend möglich [zu] erfassen, zeitlich einzuordnen und nebeneinanderzustellen“.
Das Gesamtprojekt umfasste die bis 1912 zum Osmanischen Reich gehörenden Gebiete Südosteuropas. Die einzelnen Regionen wurden von verschiedenen Wissenschaftlern bearbeitet: Edelgard Albrecht (Serbien), Klaus Kreiser (Ost- und Westthrakien), Eberhard Krüger (Griechisch-Makedonien), Peter Bartl (Albanien), Johann Strauß (Epirus) sowie Machiel Kiel (Vardar-Makedonien). Nach dem Ausscheiden Hans Joachim Kisslings übernahm Prof. Dr. Hans Georg Majer die Leitung des Gesamtprojekts und führte es bis 2008 fort.
Auf Anregung von Prof. Dr. Machiel Kiel, der zahlreiche grundlegende Arbeiten zur Siedlungs- und Regionalgeschichte Bulgariens veröffentlicht hat, wurde das Projekt auf das heutige Bulgarien ausgeweitet. Dort hatten insbesondere die tiefgreifenden politischen Umbrüche des 19. und 20. Jahrhunderts zu zahlreichen und teilweise mehrfachen Ortsnamensänderungen geführt. Die von Machiel Kiel begonnene Bearbeitung des bulgarischen Teils wurde zwischen Juli 2001 und August 2008 von Dr. Mehmet Hacısalihoğlu fortgeführt und abgeschlossen.
Ziel des Projekts war die Erstellung einer umfassenden historischen Ortsnamenskonkordanz für das Gebiet des heutigen Bulgarien vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Das Werk dokumentiert die historische Entwicklung der Ortsnamen auf der Grundlage osmanischer, bulgarischer und weiterer historischer Quellen. Im Hauptteil werden sämtliche Ortsnamen in lateinischer Umschrift nach ihren unterschiedlichen historischen Varianten konkordiert. Alle belegten Namensformen sind alphabetisch geordnet und chronologisch den jeweiligen Quellen zugeordnet, sodass die Entwicklung und Veränderungen der Ortsnamen bis in die Gegenwart nachvollzogen werden können. Ergänzend werden die osmanischen Ortsnamen in arabischer Schrift wiedergegeben. Soweit die osmanischen Quellen dies ermöglichen, enthalten die Haupteinträge zudem Angaben zur Bevölkerungsstruktur der einzelnen Orte nach religiöser Zugehörigkeit. Darüber hinaus werden die geographische Lage sowie die administrative und demographische Entwicklung der mehr als 60 osmanischen Kazas und Nahiyes detailliert dargestellt.
Zur Visualisierung der historischen Entwicklungen wurden thematische und demographische Karten der einzelnen Verwaltungsbezirke für verschiedene Zeitabschnitte erstellt. Dadurch lässt sich die Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Regionen über mehrere Jahrhunderte hinweg nachvollziehen. Die Ortsnamenskonkordanz stellt damit ein grundlegendes Hilfsmittel für die historische Geographie, Osmanistik, Balkanforschung und historische Demographie dar.