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Die ersten Kalender der Menschheit: Als der Tag mit dem Abend begann

26.08.2026

Leben und feiern im Rhythmus der Natur: Der Keilschrift-Experte Walther Sallaberger erforscht, wie ein gemeinsames Verständnis von Zeit vor 5000 Jahren Gemeinschaft stiftete und Stadtstaaten ermöglichte.

Prof. Dr. Walther Sallaberger

© LMU / Manu Theobald

Drei Stück Kleinvieh war die festgesetzte Gabe zur Neulichtfeier in der Stadt Uruk. So steht es auf einem jahrtausendealten Stück Ton. Auf anderen geht es darum, wer als Handwerker welche Bauarbeiten machte und wer wie viel Schafwolle oder Datteln ablieferte.

Hunderte solcher Tontafeln aus Mesopotamien hat Walther Sallaberger schon in den Händen gehabt und entziffert, die meisten zerbrochen, weil sie die Zeit nicht heil überstanden haben. „Es ist faszinierend, was für ein Mikrokosmos sich da eröffnet“, sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Assyriologie an der LMU. Es sind die ersten schriftlichen Überlieferungen der Menschheit, mit Datum versehene Verwaltungsnotizen, mit einem Griffel in ein Stück Ton geschrieben.

Walther Sallaberger gewinnt durch diese Vermerke Einblicke in all die kleinen und großen Regeln, die das Zusammenleben der Menschen geprägt haben. Es sind Erkenntnisse zu einer Phase der Menschheitsgeschichte, in der frühe Hochkulturen ein Verständnis entwickelten für etwas, das heutige Gesellschaften durchtaktet: das Management von Zeit.

Dass Forschende heute Zugang zu dieser Entwicklung haben, ist der Erfindung einer weiteren Kulturtechnik zu verdanken, die Einblicke in das Denken vergangener Kulturen gewährt: „Die Schrift wurde im Rahmen der Verwaltung erfunden. Dieser Schritt lässt sich gut nachvollziehen, von vorschriftlichen Archivierungshilfen zu ersten Schriftsystemen schon in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends vor Christus in der Stadt Uruk“, erklärt Sallaberger. „Die Gesellschaft war damals so komplex, dass das Zusammenspielen von verschiedenen Segmenten des Wirtschaftens mit schriftlicher Dokumentation besser funktionierte.“ Diese hätten dem „Monitoring“ des gemeinsamen wirtschaftlichen Handelns gedient, wie er es nennt.

»Die Existenz von Schrift hängt an der Verwaltung, aber die Verwaltung ist ohne Zeit nicht vorstellbar.« Walther Sallaberger

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