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ERC Grant für Prof. Dr. Enrique Jiménez

04.04.2024

Die Geschichte Mesopotamiens neu schreiben

Prof. Dr. Enrique Jiménez ist Inhaber des Lehrstuhls für Ancient Near Eastern Literatures am Institut für Assyriologie und Hethitologie der LMU. In seiner Forschung zu Literatur vergangener Kulturen setzt der Altorientalist auch auf Künstliche Intelligenz und die Möglichkeiten der Digitalisierung. Die von ihm aufgebaute Datenbank „Electronic Babylonian Literature“ trägt entscheidend dazu bei, die bislang nur unvollständig überlieferte Weltliteratur des Alten Orients wieder lesbar zu machen.
In Mesopotamien, das im Gebiet des heutigen Irak und Syrien lag, wurde eine der ältesten Schriften der Welt entwickelt. Über einen Zeitraum von Jahrtausenden wurden mit Griffeln Schriftzeichen auf Tafeln aus Ton geschrieben. Das gesamte Wissen der damaligen Zeit wurde auf Tontafeln in steinernen Bibliotheken festgehalten und von Gelehrten an nachfolgende Generationen weitergegeben. Mit dem Zusammenbruch der großen Reiche Mesopotamiens wurden die Bibliotheken zerstört, die Tontafeln zerbrochen. Heute sind davon unzählige zusammenhangslose Bruchstücke vorhanden. In seinem neuen Projekt RECC (Rewriting the End of Cuneiform Culture), das vom ERC mit einem Consolidator Grant gefördert wird, wird der Altorientalist einen neuen Blick auf das Ende der mesopotamischen Hochkulturen und damit der Keilschrift eröffnen. Tausende von erhaltenen Textdokumenten dieser späten Periode sind bislang noch nicht datiert oder wissenschaftlich bearbeitet.

Im Rahmen des Projekts wird Enrique Jiménez mithilfe Künstlicher Intelligenz die Datenbank „CuneiDate“ aufbauen, um bislang undatierte Texte erstmals in ihren historischen Kontext einzuordnen. Dies wird neue Einblicke eröffnen, warum auch nach dem Untergang der großen Reiche Mesopotamiens im ersten Jahrtausend vor Christus weiterhin in Keilschrift geschrieben wurde. „Eine der zentralen Fragen unseres Projekts ist, wie die Menschen im alten Babylonien mit dem Bedeutungsverlust ihrer jahrtausendealten Traditionen umgegangen sind. Die Antworten darauf sind auch für heutige Kulturen relevant, deren Überleben in einer globalisierten Welt bedroht ist“, sagt Enrique Jiménez.

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