Zur Person
In die Ethnologie hat es mich Mitte der 1980er ganz zufällig verschlagen – ein Abweg, der sich aber als glückhaft erwiesen hat. Ursprünglich aus der Sprach- und Literaturwissenschaft kommend, interessieren mich weniger die hell ausgeleuchteten Zentren der Disziplin als ihre Randzonen. Wo Ethnologie auf Literatur, Geschichte, Naturwissenschaft, Kunst oder Philosophie trifft, wo sie sich verheddert und ihre „eigentliche“ Zuständigkeit vergisst – dort finde ich sie am lebendigsten.
Studiert habe ich in Basel bei Meinhard Schuster, dem „letzten Kulturmorphologen“, promoviert (1999) und habilitiert (2005) bei Karl-Heinz Kohl in Frankfurt. Die frühen 2000er Jahre habe ich forschend in afrozentrischen Zirkeln in New York und Philadelphia verbracht – mit sporadischen Abstechern nach Westafrika. Nach beruflichen Stationen in Paderborn, Frankfurt und Köln bin ich 2009 am Münchner Institut gelandet und hier vor allem zuständig für die Lehre.
Theoretisch fühle ich mich neben Goethe, Spinoza und den Humboldts besonders einer französisch geprägten Tradition verbunden – wegen des ganzheitlichen Blicks, der nicht auf Messungen oder Begriffe reduzibel ist, aber auch wegen ihrer Gelassenheit gegenüber Opazität. Ich mag es, wenn nicht alles gleich verstanden werden will. Wenn Texte zum Flanieren einladen und sich schnellen Erklärungen entziehen. Absichtlich! Nicht, weil man sie nicht vereinfachen könnte, sondern aus Prinzip – und, zugegeben, ein bisschen aus Freude am Stolpern.