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Call for Contributions: 1/27 - Freund:innen

21.09.2026

kuckuck notizen zur alltagskultur

„Gute Freunde kann niemand trennen
Gute Freunde sind nie allein
Weil sie eines im Leben können
Füreinander da zu sein“
– Franz Beckenbauer, „Gute Freunde“, Single, 1966

Während romantische Liebe sowie familiäre Bindungen kulturwissenschaftlich breit untersucht werden, ist die Sozialbeziehung der Freund:innenschaft kaum beleuchtet – und das, obwohl sie nicht nur Alltagspraxis prägt, sondern auch biografische Selbstverständnisse mitbestimmt. Die kommende Ausgabe des KUCKUCK 1/27 richtet die Scheinwerfer daher auf: Freund:innen.

Während die heteronormative Kleinfamilie symbolisch und institutionell gefördert sowie rechtlich gestützt wird, erfährt Freund:innenschaft trotz ihrer sozialen Bedeutung kaum rechtliche oder politische Anerkennung. Dabei wird Freund:innen nicht nur emotionale Stützkraft für die Einzelnen, sondern auch Schutzfunktion für Demokratie und gesellschaftliche Stabilität allgemein zugeschrieben. Die Romantisierung der „guten“ Freund:innen ist kulturell wirkmächtig (s. Beckenbauer): Sie sind loyal, begleiten bedingungslos, stehen zur Seite, wenn es eng wird, stabilisieren Biografien und schützen vor Einsamkeit. In aktivistischen Kontexten bergen Freund:innenschaften emanzipatorisches und widerständiges Potenzial: Sie stellen die Privilegierung romantischer Zweierbeziehungen infrage und eröffnen Raum für alternative Formen von Nähe, Verantwortung, Sorge und sozialer Reproduktion.

Die ambivalenten Facetten von Freund:innenschaft geraten angesichts der positiven Bezugnahmen häufig in den Hintergrund. Jedoch sind Freund:innenschaften potenziell immer auch brüchig, konfliktgeladen, asymmetrisch und einem Kosten-Nutzen-Kalkül unterworfen. Bilder der „Freunderlwirtschaft“ oder therapeutisierende Diskurse über toxische Freund:innenschaften verweisen auf problematische gesellschaftspolitische sowie psychologische Dimensionen von Freund:innenschaft. Und Freund:in kann nicht jede:r werden: eine intersektionale Perspektive eröffnet kritische Fragen danach, wem – unter anderem mit Bezug auf Geschlecht, Klasse, race oder Alter – das Freund:innen-Sein auf welche Weise überhaupt offensteht und wem der Zugang verwehrt bleibt.

Vor dem Hintergrund dieser Zuschreibungen und Diskurse weisen gelebte Freund:innenschaftspraktiken und damit verbundene Beziehungsrealitäten ein breites Spektrum hinsichtlich biografischer Bedeutung, Raum, Dauer, Intimität und dem Grad der Verantwortlichkeit und des Füreinander-Sorgens auf. Zudem stellen sich Fragen nach der digitalen Transformation des Freund:innenschaftlichen und danach, inwiefern wir auch mit KI befreundet sein können. Eine Vorab-Definition von Freund:innenschaft fällt angesichts dieser Varianz schwer – auch die Grenzen zur romantischen Liebe, sexuellen Beziehung und (Wahl-)Familie sind oftmals durchlässig. Genau diese Unübersichtlichkeit macht Freund:innenschaft zu einem ebenso herausfordernden wie vielversprechenden Gegenstand kulturwissenschaftlicher Analyse.

Beziehungen unter Freund:innen durch unterschiedlichste Ansätze und Perspektiven zu beleuchten, ist das Ziel der kommenden KUCKUCK-Ausgabe. Wir freuen uns auf Beiträge, die folgende Aspekte berühren können:

  • Beziehungs- und Emotionspraktiken unter Freund:innen – analog wie digital
  • Leitbilder und ethische Ideale zu Freund:innenschaft, ihre historische und kulturelle Spezifik und ihre Auswirkungen auf Beziehungspraxis
  • Politische Potenziale des Freund:innen-Seins beispielsweise in feministischen oder queerpolitischen Kontexten
  • Machtkritische Perspektiven auf Freund:innen hinsichtlich der gesellschaftlichen Verteilung von (sozialem) Kapital und dem Zugang zum Freund:innen-Sein
  • Popkulturelle Figuren der Freund:innen, von Jugendliteratur bis Social Media
  • Historische Einordnungen des Freundschaftlichen und die Genese von Freundschaft als Beziehungsform
  • Methodologische Reflexionen zum Freund:innen-Sein oder-Werden im Kontext der Feldforschung/ Ethnografie

Wir freuen uns auf Abstracts, Ideen und Vorschläge (max. 150 Wörter) für empirische, konzeptionelle, essayistische, aktivistische und künstlerische Beiträge sowie eine kurze biografische Notiz (max. 450 Zeichen) der Beitragenden bis zum 21. September 2026 per E-Mail an l.gozzer@lmu.de, j.moser@lmu.de

Das Abgabedatum für die vollständigen Beiträge ist der 31. Januar 2027. Die Beiträge sollten nicht länger als 20.000 Zeichen inklusive Verweise sein und durchlaufen einen kollaborativen Reviewprozess innerhalb der KUCKUCK- Redaktion.

Weitere Informationen für Autor:innen sind auf der Website zu finden:
https://kulturanthropologie.uni-graz.at/de/bibliothek-1/kuckuck.-notizen-zur-alltagskultur/