2015 wurde das interdisziplinäre und internationale Netzwerk kulturwissenschaftliche Stadtforschung gegründet, dessen Mitglieder seither einmal jährlich in Wien zu einem Workshop am Institut für Europäische Ethnologie zusammenkamen. Im Jahr 2027 findet er erstmals am Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München statt.
Call for Papers
Die vielfältigen methodischen, konzeptionellen und theoretisch informierten Zugänge der kulturwissenschaftlichen Stadtforschung eint die Einsicht, dass das konkrete Erfahren in mitlebender Involviertheit eine zentrale Voraussetzung für das Verständnis urbaner Alltagskulturen bildet. Die Hinwendung zum Unmöglichen – zu dem, was sich dem unmittelbaren Zugriff entzieht – eröffnet eine paradoxe Fragestellung: Wie lässt sich beobachten, was sich gerade dadurch auszeichnet, nicht realisiert zu sein?
Im autoritären Urbanismus, in klimapolitischer Trägheit, in der gentrifizierenden Landnahme städtischer Freiräume, in androzentristischen Verkehrskonzepten, der queerfeindlichen Einschränkung freier Gefühlsräume, im Fortwirken nicht realisierter Zukünfte oder auch angesichts stetig steigender Mietpreise wird die Unmöglichkeit selbst zur realistischen Option, zur bedrohlichen Dystopie und zugleich zur widerständigen Abgrenzungsfolie für utopische Gegenentwürfe.
Der 16. Workshop des Netzwerks kulturwissenschaftliche Stadtforschung richtet seinen Fokus auf die Unmöglichkeit als heuristisches Problem, als methodische Herausforderung und als praktische Erfahrung der kulturwissenschaftlichen Stadtforschung. Wir freuen uns auf Beiträge, die eine oder mehrere der folgenden Dimensionen adressieren:
1. Die Unmöglichkeit als Herstellungsleistung: Wie tragen Praktiken (beispielsweise des Verhinderns, Abbrechens und Einstellens) dazu bei, Möglichkeitsräume zu schließen, sie zu versiegeln oder in den Modus des Standby zu versetzen?
2. Das Unmögliche als Erinnerung: Welche Spuren hinterlassen verhinderte, aufgegebene oder nie realisierte Entwicklungen? Welche Erkenntnisse eröffnet eine kontrafaktische Perspektive auf das Nicht-Eingetretene für unser Verständnis urbaner Gegenwart?
3. Das Unmögliche als Empörungsbegriff: Wie skandalisieren, bekämpfen oder enttabuisieren städtische Akteur:innen das, was sie für unmöglich erachten?
4. Das Unmögliche als empirische Gegebenheit: Wie beleuchten wir, was nicht zur Umsetzung kommt? Sind Trauer, Frust und Wut angesichts des Nicht-Realisierbaren erkenntnistheoretisch produktive Gefühle? Wozu sollten wir erfahren, was – eigentlich – nicht sein kann?
5. Die Unmöglichkeit als Zukunftsentwurf: Wie verhindern antizipatorische Kompetenzen und abwägende Imaginationen, dass eintritt, was nicht eintreten sollte? Welche urbanen Ethiken legitimieren solche widerständigen Bestrebungen?
Wir bitten um Einsendungen von Beitragsvorschlägen mit einem Abstract von ca. 200 Wörtern und einer biographischen Kurznotiz bis zum 25. September 2026 an carlotta.stimpfle@univie.ac.at und felix.gaillinger@ekwee.uni-muenchen.de. Der Input sollte maximal 15 Minuten dauern. Gerne können Sie auch abweichende Formate (z.B. einen Mini-Workshop, die Diskussion eines Textes, die Präsentation Ihrer Veröffentlichung) im Umfang von bis zu 30 bzw. 45 Minuten vorschlagen.
Wir freuen uns auf einen anregenden Workshop und den gemeinsamen Austausch. Für die Verpflegung während des Workshops ist gesorgt; Reise- und Übernachtungskosten können wir leider nicht übernehmen. Verbindliche Anmeldungen zur Teilnahme ohne eigenen Beitrag erbitten wir bis zum 01. Dezember 2026. Aufgrund der begrenzten Teilnehmendenzahl empfehlen wir eine frühzeitige Anmeldung.
Der Workshop wird voraussichtlich in den Räumen des Instituts für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München stattfinden, am 04. März 2027 um 13 Uhr beginnen und voraussichtlich am 05. März 2027 um 18 Uhr enden.
Die Sprecher:innen des Netzwerks kulturwissenschaftliche Stadtforschung
Brigitta Schmidt-Lauber (Wien), Carlotta Stimpfle (Wien) und Felix Gaillinger (München)