Feminismen in Europa: Positionen – Konflikte – Strategien
Forschungskolloquium WiSe 2020/21, Dienstags, 18 Uhr, digital über Zoom
Forschungskolloquium WiSe 2020/21, Dienstags, 18 Uhr, digital über Zoom
organisiert von Agnieszka Balcerzak, Miriam Gutekunst und Birgit Erbe
Feminismus steht heute in ganz Europa verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit: Gründe dafür sind sowohl das Erstarken feministischer Bewegungen weltweit als auch zunehmende Angriffe auf Gleichstellungspolitiken und Gender Studies. Rechtspopulistische und konservative Akteur*innen stellen emanzipatorische Konzepte von Geschlecht und Familie sowie einem gleichberechtigten Leben zunehmend in Frage und vereinnahmen gleichzeitig feministische Argumente für nationalprotektionistische Zwecke, wenn zum Beispiel Frauenschutz zur Legitimation restriktiver Migrationspolitik genutzt wird. Dem gegenüber haben feministische Organisierung und Protest in den letzten Jahren zugenommen und wurden zu einer wichtigen Kraft gegen den Aufstieg reaktionärer Strömungen und gegen einen Backlash in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Konfliktlinien verlaufen entlang von Themen wie Recht auf Abtreibung und körperliche Selbstbestimmung, Anerkennung sexueller Vielfalt und multipler Geschlechtsidentitäten, Fragen von Geschlechterverhältnissen im Kontext von Religion, Verflechtungen von (Anti-)Rassismus und Feminismus oder Kämpfen gegen sexualisierte Gewalt.
Vor diesem Hintergrund fragt das Forschungskolloquium danach, wie sich innerhalb dieses Spannungsverhältnisses feministische Bewegungen sowie unterschiedliche Feminismen in Ost- und Westeuropa formieren und artikulieren. Die Vorträge umfassen theoretische Reflexionen und empirische Studien und nehmen dabei historische sowie gegenwärtige Entwicklungen in den Blick. Sie werfen einen differenzierten Blick auf folgende Fragen: Wie wird Geschlecht als Kategorie (de-)konstruiert, (re-)präsentiert und verhandelt? Inwiefern kommt es zu Verschränkungen mit anderen Differenzkategorien wie Sexualität, Ethnizität, Religion oder nationaler Identität? Welche Vorstellungen von Gleichberechtigung, Emanzipation und Gleichstellungspolitik werden verfolgt und inwieweit sind diese umkämpft? Welche Dynamiken entwickeln sich aktuell zwischen Rechtspopulismus und lokalen sowie transnationalen Feminismen?
Das Forschungskolloquium findet an sieben Dienstagen im Semester, 18-20 Uhr c.t., als digitales Format über Zoom statt.
Das Programm befindet sich hier (PDF, 802 KB)
Termine:
3.11.2020 Zsófia Lóránd (University of Cambridge): Feminism in Socialist Yugoslavia: Introducing the Concept of Gender for Women's Equality
10.11.2020 Friederike Faust (Humboldt-Universität zu Berlin): Feminismus und Fußball: Über politische Metamorphosen und die Lücken im paraethnographischen Wissen am Beispiel von Frauenfußballaktivistinnen
17.11.2020 Elżbieta Korolczuk (University of Warsaw/Södertörn University Stockholm): Anti-Gender Campaigns, Right-Wing Populism and Elite Change in Central and Eastern Europe in a Comparative Perspective
8.12.2020 Claudia Snochowska-Gonzalez (Polish Academy of Sciences Warsaw): The Struggle for Liberalization of Abortion Law in Poland and Spain: Its Context, Effects, and Prospects for the Future
12.1.2021 Denise Bergold-Caldwell (Philipps-Universität Marburg): Schwarze Feminismen in Deutschland: Historische und aktuelle Fragestellungen
19.1.2021 Imke Schmincke (Ludwig-Maximilians-Universität München): Eins, zwei, drei, viele Feminismen: Zeitgenössische Feminismen auf dem Prüfstand
2.2.2021 Marion Näser-Lather (Philipps-Universität Marburg): (Differenz-)feministische Antworten auf den Maskulinismus: Die italienische Frauenbewegung „Se Non Ora Quando?“