Aktuelle Exkursion: Fire, Ice and Heritage. Natur- und Kulturerbe als Zukunftsressource
Vor dem Hintergrund planetarer Klima- und Verteilungskrisen und im Kontext von Policies zur nachhaltigen Entwicklung (vgl. UN Agenda 2030 For Sustainable Development) fällt der Blick seit den 2010er-Jahren zunehmend auf traditionelle Formen des Umgangs mit der Natur, die im Rahmen verschiedener UNESCO-Konventionen als Weltkulturerbe oder immaterielles Kulturerbe (IKE) gelistet sind (vgl. Bortolotto 2025). Unser Verständnis von „Kulturerbe“ durchläuft im Zuge dieser Neuperspektivierung einen Paradigmenwechsel: weg von der Konservierung schützenswerter Relikte hin zu deren Inwertsetzung als Zukunftsressource (vgl. Labadi 2022). Kultur- und Naturerbe kann in diesem Sinne zur Ausbildung eines antizipatorischen Denkens (Kirshenblatt-Gimblett 2024: 85–93) dienen und Handlungsoptionen im Angesicht unsicherer Zukünfte schaffen (vgl. Holtorf 2020: 277–290). Die kritische Reflektion von Kulturerbe als kulturpolitischer Produktionsprozess (Heritageifizierung) erweitert sich so um die Möglichkeit aktiver Beteiligungs- und Handlungsmöglichkeiten (vgl. Bortolotto 2025).
Für die Empirische Kulturwissenschaft ergeben sich in dieser „angewandten Heritageforschung“ neue gesellschaftliche Aufgaben und Berufsfelder. Es besteht dringender Ausbildungsbedarf mit Blick auf das Feld kulturpolitischer, bürger*innengesellschaftlicher, regionaler und kommunaler Heritage-Institutionen. Eine siebentägige Exkursion nach Island vermittelt dazu neueste theoretische Ansätze und praxisbezogene Kompetenzen zur Governance von Kultur- und Naturerbe. Island eignet sich als Exkursionsort dafür besonders, da es nicht nur das einzige Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit einem zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckten Strombedarf ist, sondern auch auf singuläre Weise nachhaltige Energien mit seinem nationalen Kultur- und Naturerbe verbindet. Im Rahmen der Exkursion besichtigen wir verschiedene Naturerbe-Stätten, untersuchen zwei nationale Kulturerbeformen, diskutieren mit nationalen Expert*innen über die isländische Kulturerbe-Policy und besuchen die internationale Erzählforschungs-Konferenz „Nature(s) in Narrative“, wo wir in den aktuellen Forschungsstand zu Natur und Kultur eintauchen und mit internationale Fachexpert*innen sprechen können.
Die Übernachtungen werden in Reykjavik stattfinden, die Anreise erfolgt per Flug ab München, der Transport vor Ort via Bus und zu Fuß. Internationale Studierende: Informieren Sie sich bitte selbständig, inwieweit Sie separate Einreisegenehmigungen benötigen.
Die Exkursion steht in Verbindung mit dem gleichnamigen Seminar „Fire, Ice and Heritage. Natur- und Kulturerbe als Zukunftsressource“.