Der römische vicus von Nettersheim – ein ländliches Siedlungszentrum in der Nordeifel

Matronenheiligtümer - drei steinerne Heiligtümer, in die reliefartig jeweils drei sitzende Frauen eingearbeitet sind.
Heiligtum für die Aufanischen Matronen.

© Salvatore Ortisi

Die römische Siedlung liegt etwa 2 km südlich des modernen Ortes Nettersheim zu beiden Seiten der Urft. Die Eisenbahnstrecke Köln-Trier trennt heute die etwa 5 ha große römische Siedlung in eine östliche und westliche Hälfte. Den höchsten Punkt bildet der etwa 30 m hoch über dem Urft- und Schleifbachtal aufragende Geländesporn der „Görresburg“ mit dem 1909 vom Direktor des Rheinischen Provinzialmuseums in Bonn, Hans Lehner, freigelegten

Seit 2009 wird der Fundplatz im Rahmen eines Kooperationsprojekts der Gemeinde Nettersheim, des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege, des Rheinischen Landesmuseums Bonn erforscht. Die Ausgrabungen haben zahlreiche neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte des Ortes erbracht: Der Nettersheimer vicus war mindestens 3-4 ha groß und dürfte um die 300 Einwohner gehabt haben. Eine 8-10 Meter breite Straße, die durch diese Siedlung zieht, ist mit der römischen Magistrale Köln-Trier zu identifizieren, die bei Nettersheim die Urft überquerte. Auch wenn die entscheidende Inschrift noch nicht gefunden wurde, ist es sehr wahrscheinlich, dass der vicus von Nettersheim mit der auf antiken Straßenkarten verzeichneten Station Marcomagus identisch ist. Aus den Weiheinschriften des Matronenheiligtums kann man schließen, dass hier spätestens seit dem 2. Jh. Benefiziarier stationiert waren. Zu ihren Aufgaben gehörte die Kontrolle der Straße und möglicherweise auch die Erhebung von Zöllen. Die mittelkaiserzeitliche Straßenstation wurde nach ihrer Aufgabe im 3. Jahrhundert vermutlich durch ein in der Nähe des Urftübergangs entdecktes Kleinkastell ersetzt. Die ca. 50x40 m große und noch bis zu einem Meter hoch erhaltene Umwehrung sicherte im 4. und frühen 5. Jahrhundert die strategisch und wirtschaftlich wichtige Straßenverbindung zwischen dem römischen Statthaltersitz in Köln und der Kaiserresidenz in Trier.

Drohnenaufnahme des Vicus Nettersheim.
Nettersheim Vicus. Streifenhäuser, Alte Gasse (2013)

© Salvatore Ortisi

Neben der befestigten Militärstation prägten zahlreiche Rennöfen zur Verhüttung der in der Umgebung anstehenden Eisenerze die spätantike Siedlung. In den Ruinen des mittelkaiserzeitlichen vicus entstanden noch im späten 3. oder frühen 4. Jh. größere Werkbereiche, in denen über einen längeren Zeitraum Eisen produziert wurde. Im gesamten Siedlungsareal lassen sich solche Werkstätten mit bis zu einem Meter hohen Schichten aus Asche, Sand und Schlacke nachweisen. Sie belegen, dass der vicus spätestens im 4. Jahrhundert ein zumindest regional wichtiges Zentrum der Eisenproduktion gewesen sein muss.

Die extensive Nutzung der Region in nachrömischer Zeit hat dazu geführt, dass sich die antike Siedlungslandschaft in ihren Grundzügen bis heute erhalten hat.

Kooperationspartner:

Sommerliche Landschaft mit einigen Ruinen von Steinmauern

© Salvatore Ortisi

  • Gemeinde Nettersheim
  • LVR-Amt für Bodendenkmalpflege
  • Geographisches Institut der RWTH Aachen
  • Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln (Labor für Archäobotanik, Labor für Dendroarchäologie)
  • Dr. H. Christian Credner (Trier)