© Sebastian Schmid
Die Siedlung Cambodunum, heute Kempten im Allgäu, zählt hinsichtlich ihres Grundriss zu den am besten bekannten städtischen Anlagen der Antike nördlich der Alpen. Grund hierfür sind großflächige Ausgrabungen, die vor allem im späten 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchgeführt wurden. Neben dem Forum, einem Tempelbezirk oder Teilen der Wohnbebauung wurden dabei auch drei öffentliche Badeanlagen entdeckt: das sog. Thermenhaus, die Großen Thermen und die Kleinen Thermen.
Die Kleinen Thermen untersuchte Paul Reinecke 1925 und legte dabei den aus mehreren Räumen (frigidarium, tepidarium, caldarium, sudatorium, Latrinen) bestehenden Badetrakt ebenso wie einige Höfe frei. Vielfach beschränkte er sich jedoch darauf, die Grundrisse zu ergraben und nur den Mauern zu folgen, das Innere der Räume blieb oftmals unberührt.
In Vorbereitung des Archäologischen Parks Cambodunum (APC) fanden von 1983–1999 neuerlich Ausgrabungen statt. Dabei deckte man zum einen die schon von Reinecke untersuchten Steinbauten auf und gewann dabei neue Erkenntnisse zur Baugeschichte. Zum anderen fanden sich vor allem in einem großen Hof im Süden des Bades Reste frühkaiserzeitlicher Holzbebauung. Die frühen Befunde und Funde wurden bereits in einer Münchner Dissertation von Maike Sieler publiziert. Die Steinbauten der Thermen, die heute als Teil des APC unter einem Schutzbau öffentlich zugänglich und zu besichtigen sind, sind bislang jedoch nur aus Vorberichten bekannt.
Ziel des vom Kulturamt der Stadt Kempten geförderten Projektes ist es, die Funde und Befunde der Steinbauperioden der Kleinen Thermen zu bearbeiten und daraus Rückschlüsse auf die Baugeschichte zu gewinnen. Dabei wird vor allem der Zeitpunkt der Errichtung des Baus und seiner Erweiterungen im Zentrum stehen. Ebenfalls von Bedeutung ist die Frage, wann die Thermen aufgegeben wurden. Darüber hinaus sollen technische und organisatorische Fragen zum Badevorgang geklärt werden.
Blick auf den Hypokaustboden mit Pfeilern aus Ziegelplatten und Heizkanal von Osten. | © Sebastian Schmid
Literatur
W. Kleiss, Die öffentlichen Bauten von Cambodunum. Baubeschreibung und Rekonstruktion. Materialh. bayer. Vorgesch. 18 (Kallmünz/Opf. 1962) 26–41.
M. Sieler, Die frühkaiserzeitlichen Holzbauten im Bereich der Kleinen Thermen von Cambodunum-Kempten. Materialh. bayer. Vorgesch. A 93 = Cambodunumforsch. VIII (Kallmünz/Opf. 2009).
G. Weber/B. Kata, Cambodunum geht baden. Ein Begleitheft zum 2. Abschnitt des Archäologischen Parks Cambodunum – APC, den Kleinen Thermen (Kempten 1996).
Kooperationspartner
Archäologischer Park Cambodunum
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Projektleiter