Zwischen Sahara und dem Mittelmeer

der Grenzposten Vezereos (Bir Rhezen) am Limes Tripolitanus

Archäologien bei einer Ausgrabung, im Hintergrund bergige Landschaft.

© Salvatore Ortisi

Das Kleinkastell Vezereos (spätantik: Bezereos) bei Bir Rhezene gehört zu den eindrucksvollsten Militärplätzen Südtunesiens. Es liegt südlich des Djebel Tebaga zwischen den heutigen Orten Douz und Matmata am Rand des Großen Östlichen Erg. Das Kastell gehört zu den zentralen Anlagen am westlichen Ende des Limes Tripolitanus. Eine ausgedehnte Zivilsiedlung (vicus) und eine vom INP dokumentierte große Brunnenanlage, dass Vezereos auch für die Kontrolle der Karawanen- und der Transhumanzrouten zwischen Sahara und Mittelmeerküste von zentraler Bedeutung gewesen ist.

Ruinen des Kleinkastells Vezereos in der Wüste.

© Salvatore Ortisi

Das 2019 zwischen dem Institut National Du Patrimoine (INP) in Tunis und der LMU geschlossene Kooperationsprojekt hat das dringende Desiderat einer systematischen Feldforschung und einer Geländeaufnahme in und um Vezereos herum aufgegriffen. In einer ersten kurzen Vor-Kampagne 2019 wurden der Kastellhügel und vor allem der Bereich der zwei bis drei Hektar großen Zivilsiedlung geophysikalisch untersucht. Die mit Hilfe der Geomagnetik durchgeführte Untersuchung brachte allerdings keine weiterführenden Informationen zur Innenbebauung des Kastells oder zur umgebenden Vicusbebauung . Wahrscheinlich aufgrund der starken Sandverwehungen waren im Magnetbild letztlich fast nur die auch obertägig sichtbaren Mauern erkennbar. Tiefer liegende Strukturen scheinen im Magnetbild dagegen kaum auf.

Neben den geophysikalischen Untersuchungen war ein viertägiger Oberflächensurvey der zweite Schwerpunkt 2019 durchgeführten Kampagne. Trotz der kurzen für den Survey und dessen Auswertung zur Verfügung stehenden Zeit zeichneten sich bereits erste Ergebnisse ab. So scheint die Keramik nicht gegen die aus den epigraphischen Quellen erschlossene Anfangsdatierung des Kastells im späten 2. oder 3. Jh. zu sprechen. Gleichzeitig bestätigte die chronologisch empfindlichere Terra Sigillata auch die zuletzt von Michael Mackensen postulierte Aufgabe des Grenzpostens in der ersten Hälfte des 5. Jhs.

Archäologen begutachten Ruinen in der Wüste

© Salvatore Ortisi

Bei dem ersten Survey im November 2019 konnten bereits erste obertägig sichtbare Baustrukturen im Kastell und im Vicusbereich mittels GPS verortet werden. Die im Gelände verstreuten Architekturteile wurden fotografisch dokumentiert. Ein Gesamtmodell (SFM) der Kastellumwehrung ließ sich aufgrund der durch die Sandverwehungen verursachten Lücken allerdings nicht erstellen.

Mit Hilfe einer Totalstation wurden 2022 die sichtbaren Mauerstrukturen des Kastells und der unmittelbar angrenzenden Vicusbebauung aufgenommen. Um die Einmessung und die Dokumentation der Mauerzüge zu präzisieren und zu erleichtern wurden vorab Oberflächenreinigungen durchgeführt. Der Bereich der beiden später zugesetzten Toranlagen im Süden und Norden wurden eingemessen und gezeichnet. Geklärt ist jetzt die lange diskutierte exakte Größe des Kastells: 60 x 49 m.

Projektleitung

Projektmitarbeiter

Literatur zum Platz

M. Euzennat, Quatre années de recherches sur la frontière romaine en Tunisie méridionale. In: Comptes rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 116, N. 1, 1972, 7-27.

M. Mackensen, Zur spätrömischen Nutzung des Kleinkastells Vezereos am limes Tripolitanus (Südtunesien). In: P. Henrich / Ch. Miks / J. Obmann / M. Wieland (ed.), NON SOLUM ... SED ETIAM. Festschrift für Thomas Fischer zum 65. Geburtstag (Rahden/Westf. 2015) 259–270.

D. J. Mattingly, Tripolitania (Londom 1995) 80.

P. Trousset, Recherches sur le Limes Tripolitanus. Ètudes d’Antiquités Africaines (Paris 1974) 75-77 nr. 72 (Bir Rhezen).