Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie
Alpen und Donauregion - Argamum
Seit 2016 beteiligt sich die LMU München an archäologischen Forschungen im Alpenland und entlang der Donau bis hin zur Dobrudscha. Dabei wurde im Schwarzen Meer vor Gura Portiţa ein römisches Frachtschiff aus dem 2. Jh. n. Chr. entdeckt und dokumentiert.
2015 nahm die BGfU Kontakt mit dem Institutul de Cercetari Eco-Muzeale (ICEM) in Tulcea auf, um ausgewählte unterwasserarchäologische Fundstellen in der rumänischen Dobrudscha zu erforschen. Vier Standorte an Donau, Binnenseen und Schwarzem Meer wurden für eine vertiefte Untersuchung ausgewählt. 2016 begannen die ersten Prospektionskampagnen, an denen das Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der LMU München maßgeblich beteiligt war.
Im Razim-See konzentrierten sich die Untersuchungen auf den Bereich vor der antiken Siedlung Argamum und die Insel Bisericuţa. Durch Sidescan-Sonarmessungen konnten mögliche Hafeneinfahrten bei Argamum sowie eine bislang unbekannte Struktur auf Bisericuţa erkannt werden. Diese Ergebnisse ergänzten die landseitigen Forschungen der LMU und trugen entscheidend zum besseren Verständnis der Siedlungslandschaft bei.
Anschließend verlagerte sich der Fokus auf den maritimen Bereich vor Gura Portiţa, einem historischen Zugang zwischen Schwarzem Meer, Razim-Bucht und Donau. Auf Hinweise eines ortsansässigen Fischers hin führte die LMU gemeinsam mit BGfU und ICEM gezielte Sonarerkundungen durch. Dabei wurde in größerer Entfernung zur heutigen Küste ein Wrack entdeckt und taucharchäologisch untersucht.
Das Wrack zeigt ein dichtes Amphorenfeld (ca. 9,5 × 5 m) mit rund 1000 Amphoren vom Typ 28 (Heraclea Pontica). Schiffsspanten deuten auf ein ca. 15–20 m langes, 5 m breites römisches Frachtschiff aus der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. Radiokarbonanalysen und typologische Auswertungen, durchgeführt mit Beteiligung der LMU, bestätigen diese Datierung. Besonders bemerkenswert ist der gute Erhaltungszustand der hölzernen Wrackteile, der wertvolle Einblicke in antike Schiffbauweisen ermöglicht.
Durch die Grabung und Dokumentation konnte das Schiff rekonstruiert werden und wichtige Erkenntnisse über Bauweise und Beladung des römischen Frachtschiffs gewonnen werden.
Die Erforschung des Schiffswracks wurde in der Dissertation von Max Fiederling veröffentlicht und wurde durch Prof. Salvatore Ortisi von der Provinzialrömischen Archäologie betreut.
Rekonstruktion
Im Rahmen der Dissertation von Max Fiederling entstand zusammen mit
Thomas Simeth diese Rekonstruktion des römischen Frachtschiffs.