Pollenlabor

Ein Pollenlabor dient der Analyse fossiler und rezenter Pollenkörner zur Rekonstruktion vergangener Vegetations- und Klimabedingungen.

Eine Lösung wird in einen Glaszylinder eingefüllt um die Probe aufzulösen-

Ausstattung und Arbeitsweise eines Pollenlabors

Foscher schaut durch Mikroskop um die Pollen einer Probe zu zählen.

© 2025 Ute Weihmüller

Ein Pollenlabor dient der Analyse fossiler und rezenter Pollenkörner zur Rekonstruktion vergangener Vegetations- und Klimabedingungen. Es wird insbesondere in der Palynologie, Archäobotanik und Paläoökologie eingesetzt. Die Laborausstattung ist darauf ausgerichtet, organisches Material aus Sediment- und Bodenproben zu isolieren, Pollenkörner zu identifizieren und deren Konzentration zu bestimmen.

1. Ausstattung unseres Pollenlabors

Das Pollenlabor der Arbeitsgruppe Vegetationsgeschichte des Instituts Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie verfügt über spezialisierte Geräte für die Probenvorbereitung, chemische Aufbereitung und mikroskopische Analyse:

  • Mikroskope: Hochleistungsmikroskope (Lichtmikroskope, Polarisationsmikroskope, ggf. Elektronenmikroskope) zur Identifikation und Quantifizierung von Pollenkörnern.

  • Chemielabor-Ausstattung:
    • Abzugshauben und Schutzvorrichtungen für den Umgang mit aggressiven Chemikalien (z. B. Fluorwasserstoffsäure, Essigsäureanhydrid).
    • Zentrifugen zur Trennung von Sedimenten und Pollenextrakten.
    • Ultraschallbäder zur Dispergierung von Partikeln.
    • Siebe und Filtrationssysteme zur Entfernung grober Bestandteile.

  • Pollenreferenzsammlung: Eine Vergleichssammlung mit Pollenkörnern rezenter Pflanzen dient zur taxonomischen Bestimmung.
  • Datenverarbeitung:
    • Computer mit spezieller Software zur Bildanalyse und statistischen Auswertung (z. B. TILIA, R-Pakete für Palynologie).

Eine Reihe von Proben aus dem Pollenlabor

© 2025 Ute Weihmüller

2. Arbeitsweise und Methoden

Die Arbeit in einem Pollenlabor umfasst mehrere zentrale Schritte:

1. Probenentnahme und Aufbereitung

  • Proben stammen aus archäologischen Schichten, Seen, Mooren oder Böden.
  • Standardisierte Entnahme mit Bohrkernen oder gezielten Probenahmen.

2. Chemische Aufbereitung

  • Entfernung unerwünschter Bestandteile:
  • Lösung organischer Materialien (z. B. mit KOH zur Entfernung von Huminstoffen).
  • Ausschluss von Karbonaten (Behandlung mit HCl).
  • Siliziumdioxid-Entfernung (Behandlung mit HF zur Auflösung von mineralischen Anteilen).
  • Acetolyse zur Konservierung der Pollenkörner und Verbesserung der Sichtbarkeit unter dem Mikroskop.

3. Mikroskopische Analyse

  • Identifikation der Pollentypen anhand morphologischer Merkmale (Aperturen, Skulpturierung, Größe).
  • Quantifizierung der Pollenhäufigkeit zur Erstellung eines Pollendiagramms.

4. Datenanalyse und Interpretation

  • Rekonstruktion der Vegetationsgeschichte und Ableitung paläoökologischer Bedingungen.
  • Nutzung von statistischen Methoden zur Mustererkennung und Clusteranalysen.

Kleine Proben aus einem Bohrkern werden auf kleine Glasbehälter aufgeteilt.

© 2025 Ute Weihmüller

3. Aussagekraft der Pollenanalyse

  • Rekonstruktion von Vegetationsveränderungen über Zeiträume von Jahrtausenden.
  • Nachweis menschlicher Eingriffe (z. B. Ackerbau, Rodung).
  • Klimarekonstruktionen anhand der Dominanz bestimmter Pollentypen.
  • Vergleich mit archäologischen Befunden zur Untersuchung historischer Landnutzung.

Fazit

Ein Pollenlabor ist ein hochspezialisiertes Forschungsumfeld, das durch präzise chemische und mikroskopische Techniken eine detaillierte Rekonstruktion vergangener Umweltbedingungen ermöglicht. Die Kombination aus Laborarbeit und computergestützter Analyse ist essenziell für interdisziplinäre Forschung in der Archäologie und Umweltgeschichte.

Archaeobotanische Vergleichssammlung

Unser Labor verfügt auch über eine archäobotanische Vergleichssammlung. Das ist eine wissenschaftliche Sammlung von Pflanzenmaterialien wie Samen, Früchten, Holz, Pollen oder Phytolithen, die aus der heutigen Zeit stammen. Sie dient als Referenz: Archäobotaniker vergleichen damit Pflanzenreste aus archäologischen Ausgrabungen (oft verkohlt oder stark zersetzt), um sie zuverlässig bestimmen zu können.

So lassen sich Rückschlüsse auf Ernährung, Landwirtschaft, Umweltbedingungen und Kulturgeschichte früherer Gesellschaften ziehen. Vergleichssammlungen sind daher eine zentrale Grundlage für die Forschung in Archäologie, Botanik und Umweltgeschichte.

  1. Thilo Kappelmeyer M.A. durchsucht die Makrorestsammlung des Labors
  2. Ein Teil der Makrorestvergleichssammlung des Pollenlabors.
  3. Nahaufnahme einiger Makroreste der Vergleichssammlung
© 2025 Ute Weihmüller
© 2025 Ute Weihmüller
© 2025 Ute Weihmüller