Lernforschungsprojekte

Die EKW*EE bereitet auf vielfältige Berufsfelder vor. Das Herzstück dieser Ausbildung ist das zweisemestrige Lernforschungsprojekt (LFP). Hier lernen Masterstudierende in praxisnahem Arbeitskontext und meist in Kooperation mit regionalen Kulturinstitutionen wie ein wissenschaftliches Vorhaben entsteht, durchgeführt und abgeschlossen wird.

Stud vor Sonnenaufgang

Lernforschungsprojekte als Praxiserfahrung

In einer Disziplin wie der Empirischen Kulturwissenschaft, die auf ein breites Spektrum gesellschaftlicher Berufsfelder vorbereitet, bildet das zweisemestrige Lernforschungsprojekt (LFP) die Brücke zwischen universitärer Theorie und beruflicher Praxis. Hier haben Masterstudierende die Möglichkeit, ein wissenschaftliches Vorhaben von der ersten Idee bis zum fertigen Ergebnis eigenständig zu realisieren. Der Prozess umfasst den gesamten Forschungszyklus: von der Entwicklung eines präzisen Forschungsdesigns und der Wahl geeigneter Methoden über die intensive Datenerhebung – etwa durch ethnografische Feldforschung oder Archivstudien – bis hin zur Aufbereitung der Ergebnisse. Diese münden häufig in öffentliche Formate wie Ausstellungen, Filme oder Publikationen und machen Wissenschaft so greifbar.

Über die rein fachliche Qualifikation hinaus schult das Projekt jene Schlüsselkompetenzen, die für die spätere Karriere entscheidend sind: Souveränität in der Recherche, kommunikatives Geschick, Projektmanagement sowie ein hohes Maß an Flexibilität und Kreativität. Ein besonderer Vorteil liegt in der intensiven kooperativen Arbeitsweise. Durch den engen Austausch zwischen Lehrenden, Studierenden und renommierten Partnerinstitutionen aus der regionalen Kulturpraxis entsteht ein Raum für individuelle Förderung, in dem persönliche Interessen vertieft und methodische Stärken gezielt ausgebaut werden. Diese intensive Vorbereitung sorgt dafür, dass Studierende nicht nur bestens auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind, sondern auch die selbständige Forschung in ihren Abschlussarbeiten souverän meistern.

Aktuelles Lernforschungsprojekt (ab SoSe 2026)

Postmigrantisches Kulturerbe in München.
Strategien des Archivierens, Kuratierens und Partizipierens

Leitung: Prof. Dr. Manuel Trummer, Dr. Daniel Habit

Menschen aus mehr aus 190 Ländern leben in München, über 800.000 Einwohner*innen verfügen über einen Migrationshintergrund. Doch wessen Geschichte wird im öffentlichen Raum, in Museen und Archiven als „Kulturerbe“ bewahrt? Welches tradierte Wissen und Können, welche Identität stiftenden Praxen und Performanzen werden in den nationalen und bayerischen Verzeichnissen des Immateriellen Kulturerbes sichtbar? Während der Authorized Heritage Discourse (AHD) in Deutschland und Bayern auch aktuell vor allem regionale, oft vorindustriell-ländlich geprägte Kulturformen fokussiert, arbeiten postmigrantische Verbände und Netzwerke an eigenen Archiven und Dokumentationen, was Ihnen als wichtiges, schützenswertes Erbe gilt. Über Praxen des „counter-archiving“ und des „counter heritage“, transformieren sie etablierte Heritage-Diskurse und nutzen „ihr“ Kulturerbe dabei als community-basierte Erinnerungspraxis.

In diesem Seminar untersuchen wir die Vielfalt des postmigrantischen Kulturerbes in Deutschland am Beispiel von München. Im Mittelpunkt steht dabei erstens eine kritische Auseinandersetzung mit den UNESCO-Politiken des Immateriellen Kulturerbes. Zweitens wollen wir im Dialog mit postmigrantischen Verbänden und Communities in München zentrale Formen immateriellen Kulturerbes identifizieren und dokumentieren. Drittens interessieren uns auf einer theoretischen Ebene Praxen des „counter-curating“, des „counter-archiving“ und des „counter-heritage“ und damit die Frage, wie weniger sichtbare Communities über Praxen des „Heritage from Below“ an der Sichtbarmachung ihres eigenen Erbes arbeiten – und welche Chance dies für eine kritische Reflektion etablierter Heritagepolitiken bietet. Unser Ziel ist es auch, so Schwierigkeiten und Hemmnisse im Bewerbungsprozess für migrantische Communities zu identifizieren, aber auch Kontaktzonen zwischen den IKE-Institutionen und unterrepräsentierten, weniger sichtbaren Gruppe zu schaffen, um so womöglich Immaterielles Kulturerbe in Deutschland zukünftig – ganz im Sinne der UNESCO – diverser gestalten zu können. Die Studierenden eignen sich im Verlauf der Veranstaltung theoretisches Wissen aus den Bereichen der postmigrantischen Stadtforschung und der Kulturerbeforschung an und lernen praxisnah Kulturerbe-Institutionen auf Bundes- und Landesebene sowie migrantische Verbände und Institutionen in München kennen. Sie machen sich vertraut mit offiziellen Antragsverfahren und Antragsdokumenten und erwerben zentrale Kompetenzen in einem für die EKWEE zunehmend wichtigen und dynamischen Berufsfeld.

Bisherige Lernforschungsprojekte

ZeitThema
SoSe 2025 und WiSe 2025/2026"Stadt im Werden. Ethnografische Perspektiven auf ein Münchner Neubauquartier"
Leitung: Dr. Laura Gozzer und Dr. Daniel Habit
SoSe 2024 und WiSe 2024/2025Trümmerzeit. Eine alltagsgeschichtliche Spurensuche in München 1945-1955
Leitung: Dr. Jens Wietschorke
SoSe 2023 und WiSe 2023/2024Sommerstraße, Schanigarten, Lastenfahrrad, SUV. Urbane Konflikte um Raumnutzung und Mobilität im Kontext der 'Verkehrswende
Leitung: Prof. Dr. Christiane Schwab und Alina Becker, M.A.
SoSe 2022 und WiSe 2022/23Alltagskultur im Wandel: Ethnografische Perspektiven auf Transformationsprozesse in ländlichen Räumen in Bayern
Leitung: PD Dr. Marketa Spiritova und Prof. Dr. Irene Götz
SoSe 2021 und WiSe 2021/2022Wem gehört der Berg? Nutzungskonflikte, symbolische Kämpfe und moralische Setzungen im alpinen Raum
Leitung: Dr. Daniel Habit
SoSe 2020 und WiSe 2020/2021Lokale feministische Bewegungen - Akteur*innen, Räume, Praktiken und Diskurse in München
Leitung: Dr. Miriam Gutekunst, Birgit Erbe
Eine Kooperation mit der Frauenakademie München e.V.
SoSe 2019 und WiSe 2019/2020Unterstützen, Helfen, Solidarisieren ‒ Ethnographien des Karitativen
Leitung: Dr. Laura Gozzer und Prof. Dr. Johannes Moser
SoSe 2018 und WiSe 2019/2020Alpine Lebenswelten, Perspektiven, Situationen (ALPS)
Leitung: Dr. Daniel Habit
SoSe 2017 bis WiSe 2017/2018Jugendszenen in München. Ethnografische Perspektiven auf jugendkulturelle Räume und Praxen in urbanen Milieus
Leitung: PD Dr. Marketa Spiritova
SoSe 2016 und WiSe 2016/17München versicherheitlicht
Leitung: Dr. Maria Schwertl
SoSe 2015 und WiSe 2015/16Prekärer Ruhestand. Ist Altersarmut weiblich?
Leitung: Prof. Dr. Irene Götz, Alexandra Rau
WiSe 2014/15 und SoSe 2015Leerstellen des Zweiten Weltkriegs in München und Umgebung. Eine virtuelle Ausstellung
Leitung: Dr. Marketa Spiritova
SoSe 2014 und WiSe 2014/2015Governing Migration
Leitung: Dr. Maria Schwertl
SoSe 2014The “feel-good” city: Politics and Places of Wellbeing
Leitung: Dr. Asli Duru
Zwischen März 2014 und Juli 2015Jüdisches Europa heute
Leitung: Dr. Daniel Habit
SoSe 2014 und SoSe 2015Die populäre Kultur und der Staat
Leitung: Prof. Dr. Moritz Ege
SoSe 2012 und WiSe 2012/2013Mein München: Studentisches Ausstellungsprojekt im Stadtmuseum
Leitung: Prof. Dr. Johannes Moser
SoSe 2011 bis SoSe 2012Mobile Arbeit
Leitung: Prof. Dr. Irene Götz unter Mitarbeit von Sarah Braun M.A. und Miriam Gutekunst
WiSe 2010/2011München-Tourismus. Eine Stadt als Destination
Leitung: Prof. Dr. Burkhart Lauterbach, Natalia Fischer
WiSe 2009/2010Sounds like Munich. Vom Klang der Stadt
Leitung: Prof. Dr. Johannes Moser und Simone Egger
SoSe 2008 bis WiSe 2008/2009Spätmoderne Arbeits- und Lebenswelten
Leitung: Prof. Dr. Irene Götz
SoSe 2007 bis SoSe 2008München migrantisch - migrantisches München
Leitung: Dr. Sabine Hess
WiSe 2007/2008 bis WiSe 2008/2009München stadtanthroplogisch untersucht
Leitung: Prof. Dr. Johannes Moser und Simone Egger